Sieg über die Sonne

Zu einem entspannten Happening taten sich Künstler*innen verschiedener Nationalitäten, Generationen und Disziplinen im HAU 2 zusammen. Das Showcase Beat Le Mot Kollektiv lud das estnische Von Krahl Theater Tallinn, das Solistenensemble Kaleidoskop und die israelische Komponistin Maya Dunietz zu einem vom Goethe-Institut und der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekt ein.

Formal ist die nur wenige Male aufgeführte und nur in Bruchstücken erhaltene Avantgarde-Oper „Sieg über die Sonne“ der Aufhänger. Kasimir Malewitsch schuf sie mit einigen Mitstreitern, sein legendäres Schwarzes Quadrat taucht leitmotivisch auch immer wieder auf.

Einen roten Faden oder irgendeine Stringenz wird man jedoch vergeblich suchen. Es geht den zusammengewürfelten Teams vor allem darum, eine gute Zeit zu haben. Das Publikum wird zu Getränken und Sandwiches eingeladen. Zwischendurch wird auch Karaoke gesungen. Nichts muss perfekt sein, im Gegenteil, fröhlicher Dilettantismus ist herzlich willkommen.

Inhaltlich bleiben die zwei Stunden sehr beliebig, plätschern gefällig und ein wenig redundant. Ungewöhnlich macht den Abend ein so noch nicht gesehener Einfall. Die nackten Gäste aus Tallinn bitten zu Beginn höflich, aber nachdrücklich um Spenden aus dem Publikum: Mäntel, Schals, Pullover werden erstaunlich bereitwillig gereicht, damit die Performer*innen ihre Blößen bedecken können. Im Vintage oder Resterampen-Look bestreiten sie den gesamten Abend, bis sie die Kleidung zum Finale wieder zurückgeben.

„Sieg über die Sonne“ hatte am 10. Januar 2026 im HAU 2 Premiere.

Bilder: Misha Shenbrot

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