Sie sind weit gekommen im Kulturbetrieb: Regisseur Aziz (Tansu Biçer) und seine Ehefrau und Hauptdarstellerin Derya (Özgü Namal) genießen den Applaus nach einer Theaterpremiere, die die ganze Stadt sehen will, wie sie der pubertierend-desinteressierten Tochter Ezgi (Leyla Smyrna Cabas) stolz verkünden. Diese Aufnahmen spielen in Ankara, wurden jedoch am Berliner Ensemble gedreht.

Doch schnell wird ihren Karrieren ein Ende gesetzt: Aziz verliert seinen Lehrauftrag an der Uni, ihr Stück wird aus dem Repertoire genommen und durch ein dem Regime genehmeres Werk ersetzt. Die Familie zieht zur Großmutter nach Istanbul, das im Film als Hamburg markiert ist. Mit diesem klar benannten Verfremdungseffekt möchte der Regisseur Ilker Çatak, der in Berlin als Sohn türkischer Migranten geboren und aufgewachsen ist, darauf hinweisen, dass politische Repression keine Spezialität des autokratischen Präsidenten Erdogan, der vor allem nach einem Putschversuch 2016 viele missliebige Personen aus dem Staatsdienst entfernen ließ, sondern ein überzeitliches Phänomen ist.
Doch diese Repression erzählt Çatak in den 130 Minuten sehr plakativ in einem verqualmten Lehrstück, das papieren bleibt. Dort, wo es interessant werden könnte, als das Paar über verschiedene Auswege ringt, fehlt die Zeit, in die Tiefe gehen. Aziz möchte auf einer Off-Bühne (gedreht auf der Thalia Gaußstraße-Bühne in Altona) vor 100 Leuten engagiertes Theater machen, das kaum jemand sieht und noch weniger Geld bringt, Derya lässt sich von einer Agentin für eine Soap in einem regierungstreuen Sender ködern. Hier steckt Potenzial für einen zweiten, interessanteren Film, schrieb Arabella Wintermayr treffend in der taz.
Bereits am Eröffnungswochenende hatte „Gelbe Briefe“ am 13. Februar 2026 im Berlinale Wettbewerb Premiere, Alamode bringt ihn am 5. März 2026 in die Kinos.
Bilder: ©EllaKnorz ifProductions / Alamode Film