Eine Entdeckung in der Berlinale Retrospektive ist die dokumentarische Collage „Im Glanze dieses Glücks“. Kurz nach dem Mauerfall taten sich mit Unterstützung des WDR Filmemacher aus Ost und West zum Kollektiv „Blick ins Land“ zusammen.
Im Februar/März 1990 fingen sie die Stimmung vor der letzten Volkskammerwahl der DDR ein, aus der bekanntlich die CDU als klare Siegerin hervorging und die den Weg zu schnellen Einheit beschleunigte. Das durchkreuzte auch die ursprünglichen Pläne des Kollektivs, die mit einer jahrelangen Annäherung der deutschen Staaten rechneten, die sie in mehreren Filmen begleiten wollten, wie Johann Feindt, Jeanine Meerapfel und Dieter Schumann bei einem Nachgespräch in der Deutschen Kinemathek sagten.
Siegessicher im Einheitsrausch ist Helmut Kohl bei einigen Kundgebungen, auch die bierseligen Besucher des Politischen Aschermittwochs in Passau treten selbstgewiss mit kraftmeiernden Sprüchen auf. Das ist kontrastiert mit vielen nachdenklichen Tönen von ehemaligen Mitläufer*innen des DDR-Systems, die mit sich ringen und nach Orientierung suchen.
Seine Premiere hatte „Im Glanze dieses Glückes“ wenige Wochen vor dem Tag der Einheit beim Festival in San Sebastian im September 1990. Restauriert wurde er 2022.
Bild: Deutsche Kinemathek/Johann Feindt