In doppelter Hinsicht erzählt Boris Lojkine die Geschichte des Asylbewerbers Souleymane: Zum einen erleben wir den aufreibenden Existenzkampf des Fahrradkuriers, der von Auftrag zu Auftrag setzt. Da er noch kein anerkannter Asylbewerber ist, muss er das Konto eines „Freundes“ nutzen, der den jungen Mann aus Guinea mit horrender Beteiligung am schmalen Gewinn abzockt. Zum anderen handelt der Film von der ausgedachten Geschichte politische Verfolgung und Haft, die sich Souleymane auf den Touren durch Paris immer wieder vorsagt. Der Film spielt in den 48 Stunden vor der Anhörung durch die geschulte Prüferin (Nina Meurisse), die natürlich schnell durchschaut, dass ihr hier eine Legende aufgetischt wird, die sie fast wortgleich schon vielfach gehört hat.

Die Kamera ist nah dran bei den rasanten Fahrten durch den Großstadtdschungel, genau beobachtet sind die Stationen der Ausbeutung im prekären Existenzkampf von Hauptfigur Souleymane Sangaré, der vom Laiendarsteller Abou Sangare gespielt wird.

Schon bei der Premiere in der Cannes-Sektion Un regard im Mai 2024 wurde „L’histoire de Souleymane“ mit dem Preis für den besten Hauptdarsteller und mit dem Preis der Jury (= dem zweitwichtigsten Preis) dieser Sektion ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche Festival-Einladungen im Sommer/Herbst 2024 (z.B. Hamburg, Karlovy Vary, Stockholm, Toronto) und weitere hochkarätige Preise: Europäische Filmpreise im Dezember 2024 für den Hauptdarsteller Sangaré und die Tontechnik-CrewSamuel Aïchoun, Rodrigo Diaz, Pierre Bariaud, Marc-Olivier Brullé und Charlotte Butrak, ein Prix Lumière für den Hauptdarsteller sowie vier Césars, die französischen Pendants zur Lola, für das Drehbuch, die beste Nebendarstellerin in der Verhörszene, für Hauptdarsteller Sangare als besten Newcomer und für den Schnitt.

Trotz dieses Preisregens dauerte es sehr lange, bis der Film in Deutschland breiter rezipiert wurde: im November 2025 lief er bei der Französischen Filmwoche, am 19. Februar 2026 brachte ihn der Verleih Film Kino Text in die Programmkinos.

Bild: Film Kino Text Jürgen Lütz

 

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