Was wäre passender für das 4. Advents-Wochenende als ein Krippenspiel mit der heiligen Sophie, der Schutzheiligen der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz, die dort auch nach Frank Castorfs Abgang und René Polleschs Tod als „unkündbares Volkseigentum“ die Stellung hält, wie sie mit gewohnt trotziger Grandezza betont.
Leider fiel die damals geplante „Proprietà privata – Die Influencer Gottes kommen!“-Show zum geplanten Dezember-Termin krankheitsbedingt aus, so dass ich sie erst jetzt nachholen konnte. Wenige Monate bevor Matthias Lilienthal die Intendanz übernimmt, fährt die Crew unter Anleitung der großen Diva, die hier den Franz von Assissi spielt, noch mal fast alles auf, was das Budget und der sprudelnde Ideenreichtum hergeben.

Zwei herausragende junge Chöre (Herren des Staats- und Domchor Berlin, Fanny-Hensel-Chor der Sing-Akademie zu Berlin) schlagen den Bogen von traditionellen Weihnachtsliedern wie „Es ist ein Ros´ entsprungen“ bis zu Arbeiterkampfliedern von Bertolt Brecht/Hanns Eisler. Margarita Breitkreiz versteckt sich unter einem überdimensionalen Raben-Kostüm und krächzt ihre Warnung vor dem Tech-Fundamentalismus der Trump-Bros aus dem Silicon Valley, die ein neues Mittelalter einläuten. Als schlecht gelaunter Papst Innozenz III. hat Schlingensief-Legende Kerstin Graßmann einen galligen Kurzauftritt. Mit Inga Busch und Christine Groß fügen sich zwei weitere bewährte Volksbühnen-Spielerinnen neben der jungen PoC Aminata Toscano in die Entourage der heiligen Sophie ein.
All das und noch viel mehr wird dramaturgisch noch viel sprunghafter präsentiert, als es sich ohnehin schon liest. Zur Krönung kommt dann noch ein leibhaftiger Esel auf die Bühne, ganz zur Zufriedenheit der heiligen Sophie, die dem jungen Elias Schockel, dem Alter ego von Regisseur Christian Filips, mütterlich die Wange tätschelt, dass er ihr so ein schönes Krippenspiel schrieb, das die CDU endlich wieder an ihre christlichen Grundwerte erinnern soll.
Voller Anspielungen und lustiger Einfälle ist dieser knapp 2,5-stündige Abend, der großen Spaß macht, aber oft auch mit dramaturgischen Hängern und Längen nervt. Was hätte das für ein Highlight auf der Zielgeraden vor dem Wechsel an der Volksbühne werden können, wenn das Team noch an der einen oder anderen Stelle gefeilt hätte! So bleibt immerhin noch eine schrill-überbordende Revue, die ganz auf die heilige Sophie zugeschnitten ist, die es sich leider auch nicht nehmen lässt, das Publikum mit erbärmlich stinkendem Qualm zu belästigen.
„Proprietà privata“ hatte am 7. Dezember 2025 in der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz Premiere.
Bilder: Luna Zscharnt