Nur ein kurzes Intermezzo mit sechs Episoden hatte Corinna Harfouch als Berliner Tatort-Kommissarin Susanne Bonard. Als würdigen Abschied bekam sie ein melancholisch-nachdenkliches Drama in Top-Besetzung, bei dem der eigentliche Kriminal-Fall nur eine Nebenrolle spielt.
Drei Tage vor dem Ruhestand steckt Bonard in der Sinnkrise: wie Sisyphos rollt sie den Stein nach oben, bis mit der nächsten Leiche wieder alles von vorne beginnt. Ihre Familie hat sie in all den Jahren vernachlässigt, lautet ihre Bilanz. Sie will einfach aussteigen und schließt sich deshalb der Survival-Tour-Guide Dara Kammerer (Anne Ratte-Polle) an, die in den Wäldern um den Teufelsberg westlich von Berlin campiert.
Dort ist ein Obdachloser tot aufgefunden worden, die Bisse stammen vermutlich von einer Wölfin, die Edda Odin (Catherine Stoyan) beim Gassigehen mit den Rottweilern gesehen haben will. Moritz Antons Kamera taucht in das Gehölz und Herbst-Grau der Berliner Peripherie ein, atmosphärisch dicht fängt der „Tatort: Gefahrengebiet“ (Buch und Regie: Mira Thiel) den Abschmiedsschmerz der Kommissarin und die hektische Suche nach der Wölfin ein, bei der natürlich Erinnerungen an die Sommerloch-Posse von der Jagd nach der Löwin vom Wannsee wach werden.
Der Sonntags-Krimi lohnt sich allein schon wegen der beiden Duos, deren Entwicklung parallel verfolgt wird: hier Harfouch und Ratte-Polle im Wald, zwischen denen nach skeptischem Beäugen doch Sympathie wächst, dort der zweite Kommissar Robert Karow (Mark Waschke), der mit dem esoterisch-raunenden Prepper Noah Farrell (Nils Kahnwald) flirtet und schließlich eine gemeinsame Nacht im Bunker verbringt.

Der Mordfall wird ganz beiläufig auch gelöst, bevor Harfouch und die einsame Wölfin vom Polizeipräsidium aufs Tempelhofer Feld verschwinden, Hildegard Knefs „Der alte Wolf“ als Leitmotiv des ungewöhnlichen, jedoch sehenswerten Sonntags-Krimis im Ohr.
„Tatort: Gefahrengebiet“ wurde vorab am 21. Januar 2026 im Delphi Filmpalast präsentiert und hatte am 1. Februar 2026 seine TV-Premiere in der ARD.
Bilder: rbb/Conny Klein