Aus der Perspektive der neunjährigen Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) erzählt Hasan Hadi vom Leben in einer Diktatur.
Der irakische Autokrat Saddam Hussein, den vor allem George Bush und sein Sohn George W. Bush zum Inbegriff des Bösen stilisierten, trieb den Personenkult so weit, dass zu seinem Geburtstag nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Kinder einen Kuchen backen mussten.
Dieses Los trifft zu Beginn des Films Lamia, die mit ihrer Großmutter in ärmlichen Verhältnissen lebt und jeden Morgen mit dem Kanu durch die Marschgebiete des Zweistromlands zur Schule paddelt. Nicht nur die Armut ihrer Familie stellt sie vor Probleme, unter dem Sanktionsregime der Vereinten Nationen wird es besonders herausfordernd, notwendige Zutaten wie Eier, Mehl und Zucker fürs Kuchenbacken zu sorgen.
Der Lehrer ist ein regimetreuer Hardliner, lässt die Klasse jeden Morgen ihre Treueschwüre herunterbeten, den schließlich im Dezember 2003 in einem Erdloch gefangengenommenen Saddam Hussein bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Er macht seinen Schülern klar: Wer sich komplett verweigert oder einen unzureichenden Kuchen abliefert, muss mit drakonischen Strafen rechnen.
Die 102 Kino-Minuten werden zum Stationendrama: Lamia und ihr munter vor sich hinkrähender Hahn Hindi hasten durch die nächstgelegene Stadt, teilweise in Begleitung des kleinkriminellen Klassenkameraden Saeed (Sajad Mohamad Qasem). Betrug und Enttäuschungen machen ihre Jagd nach den Zutaten für den Kuchen zum Hindernis-Parcours.
Nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen werden von Laien an Originalschauplätzen im Irak gespielt. „Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist typisches, herzwärmendes Festival-Kino fürs Arthouse-Publikum. Er war schon Publikumsliebling in der Off-Reihe Quinzaine des cinéastes in Cannes 2025. Hasan Hadi gewann darüber hinaus die Camera d´Or für beste Debüt des gesamten Festivals. Der Regisseur schrieb auch das Drehbuch, allerdings mit Unterstützung von Hollywood-Veteran Eric Roth (Drehbuch-Oscar für „Forrest Gump“ und fünf weitere Nominierungen).
Weitere Festival-Stationen folgten im Herbst 2025 (z.B. Hamburg, Stockholm, Toronto, Zürich), bei den Oscars schaffte es der irakische Kandidat für den besten fremdsprachigen Film immerhin auf die Shortlist der Top 15.
Am 5. Februar 2026 startete „Ein Kuchen für den Präsidenten“ in den deutschen Kinos.
Bild: Vuelta Germany