Tränenreich ist der Abschied der Kamerafrau Naru (gespielt von Regisseurin, Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Shahrbanoo Sadat) vom Reporter Qodrat (Co-Autor und Co-Hauptdarsteller Anwar Hashimi) am Flughafen von Kabul im August 2021. Wir erinnern uns an die Fernsehbilder, als nach dem übereilten Abzug der US-Truppen die Regierungs-Infrastruktur zusammenbrach und die Taliban viel schneller als vom Westen erwartet wieder auf die afghanische Hauptstadt vorrückten. Flehend drängten sich die Afghanen, noch einen der Plätze in den Evakuierungsflügen zu erwischen.
In den vorangegangenen 100 Minuten war Qodrat der einzige Lichtblick für Naru. Eine zärtliche Romanze bahnte sich an, er schien die Ausnahme von der Regel zu sein. In Afghanistan gebe es keine guten Männer, seufzt eine Passantin bei Narus Straßenumfrage in das Mikrofon ihres Senders Kabul News. Zu oft sei sie geschlagen worden. Und auch Naru macht im Alltag ständig negative Erfahrungen, wird unterschätzt und ausgebremst.
Sehr plakatives feministisches Empowerment aus einer besonders patriarchal geprägten Gesellschaft liefert Sadat mit ihrem dritten Spielfilm, der in diesem Jahr die Berlinale eröffnet, jedoch nicht um die Bären konkurriert, sondern als Special außer Konkurrenz läuft.
Das ist auch besser so, denn die Figuren und die Handlung werden nicht entwickelt, sondern nur Thesen abgehakt. Nach den ersten beiden Filmen „Wolf and Sheep“ (2016) und „Kabul Kinderheim“ (2019), die Sadat noch in Afghanistan drehte und in der Cannes-Off-Reihe Quinzaine des réalisateurs präsentierte, wurde „No Good Men“ in ihrer neuen Heimat Hamburg als deutsch-französisch-dänisch-norwegische Koproduktion entwickelt.
In der Ankündigung war zu lesen, dass das Duo im Zentrum des Films autobiographische Erfahrungen einfließen ließ und den drei bisherigen Werken zur afghanischen Zeitgeschichte noch zwei weitere Filme folgen sollten, die als Pentalogie gedacht sind.
Die Verleihrechte sicherte sich Eksystent Film, ein Kinostart jenseits der Berlinale-Premiere vom 12. Februar 2026 steht noch nicht fest.
Bild: Virginie Surdej