Sehr eindeutig war die Abstimmung mit den Füßen bei der Presse-Vorführung dieses Berlinale-Wettbewerbs-Films von Alain Gomis. Schon während der ersten Stunde setzte ein kontinuerlicher Strom zum Ausgang ein, am Ende der mehr als drei Stunden war nur noch ein trauriges Häuflein.
In einem nicht gerade mit klangvollen Namen gespickten 2026er Berlinale-Jahrgang war der französisch-senegalesische Regisseur einer der Hoffnungsträger: nach „Aujourd´hui“ (2012) und dem Silbernen Bären/Großen Preis der Jury für „Felicité“ (2017) wurde er mit „Dao“ zum dritten Mal in den Wettbewerb um die Bären eingeladen.
„Dao“ bedeutet kreisförmiges Werden und Vergehen des Lebens, klärt uns der Vorspann auf. In den folgenden drei Stunden greift der Film zwei Stationen seiner Hauptfigur Gloria (Katy Correa) heraus: den Neubeginn bei der Hochzeit ihrer Tochter in der Pariser Banlieue zu ausgelassener Pop-Musik und das animistische Ritual nach dem Tod ihres Vaters in Guinea-Bissau.
Zwischen den Welten gleitet Regisseur und Drehbuchautor Gomis jedoch nicht elegant hin und her, sondern switcht in einer zähen Dauerschleife zwischen den Momentaufnahmen. Pseudophilosophisch aufgeblasen ist „Dao“ eine Geduldsprobe für das Publikum und wäre statt im Wettbewerb eindeutig im Forum, der Berlinale-Heimat für das Sperrige, Abseitige und Nerdige, besser aufgehoben gewesen. Dort war Gomis auch zuletzt 2022 mit einer Doku über den Jazzmusiker Thelonious Monk vertreten.
Fast schon dokumentarisch wirkt auch dieser neue, überlange Film. Doch gleich nach dem Vorspann macht Gomis klar, dass es nur eine Finte ist: Hochzeits- und Beerdigungsszene werden überwiegend von Laien gespielt, mit ihrem Casting beginnt „Dao“.
Bild: © 2026 – Les Films du Worso – Srab Films – Yennenga Productions – Nafi Films – Telecine Bissau Produções – Canal+ Afrique