Joko Anwar ist zwar gerade 50 geworden, gibt aber sein Berlinale-Debüt mit einem B-Movie-Genre, das so viel jugendlichen Übermut und Schwung ausstrahlt, dass man dieses fortgeschrittene Alter des Regisseurs und Drehbuchautors nicht vermuten würde.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten war er auch schon auf diversen Festivals von Sundance bis Venedig präsent, zuletzt drehte er 2024 eine Serie für Netflix („Joko Anwar’s Nightmares and Daydreams“). Sein Markenzeichen: Horrorfilme mit sozialkritischem Anspruch. Die politischen Botschaften sollen in einem möglichst publikumswirksamen Genre unters Kino-Volk gebracht werden.
Dies gelingt ihm in „Ghost in the Cell“ ohne Zweifel. Die 106 Minuten sind ein wilder B-Movie-Ritt, die Horror, Splatter, Gefängnis-Drama, Spott über Aberglaube und gallige Satire politischer Zustände in der indonesischen Heimat des Filmemachers vereinen. Diese knallige Wundertüte ist eine positive Überraschung im Forum der Berlinale, das sonst meist dem Sperrigen und Nerdigen mit bleierner Langweile fröhnt.

Manchmal ist „Ghost in the Cell“ allzu albern geraten, hier will Anwar noch jeden Popcorn-mampfenden Mainstream-Gucker abholen. Aber insgesamt geht das Konzept auf: rasante Genre-Unterhaltung mit deutlichen Spitzen gegen Korruption und Machtmissbrauch. Das internationale Festival-Publikum hatte bei den ersten beiden Vorstellungen seinen Spaß an „Ghost in the Cell“, den vollen Genuss wird man aber nur haben, wenn man die Hintergründe der indonesischen Politik und Gesellschaft kennt, die Anwar hier im wahrsten Sinne des Wortes aufspießt.
„Ghost in the Cell“ ist auch wesentlich sehenswerter als der zweite indonesische Genre-Film im Festival, der platte Splatter-Film „Sleep no more“ von Edwin, der als Berlinale Midnight Special läuft.
Bilder: Come and See Pictures