We are all strangers

Allzu gemächlich plätschert „All we are Strangers“ (Original-Titel: „Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren“) dahin. Zwei Generationen kämpfen sich durch die Metropole Singapur: der Vater Yinyang (Koh Jia Ler) schuftet als Chef einer quirligen Bar und verliebt sich nach dem Tod seiner Frau neu in seine migrantische Mitarbeiterin Bee Hwa (Yeo Yann Yann). Während er um bescheidenen Wohlstand ringt, lässt es sein Sohn Boon Kiat (Andy Lim) ruhiger angehen. Er lebt mit seiner Freundin Lydia (Regene Lim) in den Tag hinein und gönnt sich spontane Urlaube, der strengreligiösen Schwiegermutter in spe ist er von Anfang an ein Dorn im Auge.

Nach einer Krebs im Endstadium-Diagnose des Vaters und einer unerwarteten Schwangerschaft seiner Freundin muss der kindsköpfige junge Mann plötzlich Verantwortung übernehmen. Mit der zupackenderen Art seiner Stiefmutter sortiert sich das ganze Familiengefüge neu.

Anthony Chen ist mit dieser melodramatischen Familienaufstellungs-Tragikomödie zum ersten Mal auf der Berlinale. Mit seinem Erstling „Ilo Ilo“ (Quinzaine des reálisateurs, 2013) gewann er die Camera d´Or für das beste Debüt in Cannes, dort lief auch „The Breaing Ice“ 2023 in der Sektion Un certain regard.

Er erzählt seine Geschichte recht gefällig. Aber schon vor der Zwei-Stunden-Marke blitzen zahlreiche Handy-Displays. Viele im Saal scrollen lieber durch Nachrichten und Feeds als weiter der betulichen Familiengeschichte zu folgen, die sich zu dem Zeitpunkt noch fast eine komplette weitere Stunde hinzieht.

„We are all strangers“ hatte am 16. Februar 2026 im Wettbewerb der Berlinale Premiere.

Bild: Giraffe Pictures

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert