Der talentierte Mr. Ripley

Simon Werdelis und Jakob Fließ sind das Zentrum dieses sehr langen Abends: als Tom Ripley und Dickie Greenleaf glänzen sie in diesem homoerotischen Thriller nach der berühmten Krimi-Vorlage von Patricia Highsmith. Was 1955 nur zwischen den Zeilen angedeutet werden konnte, arbeitet Daniela Löffner, Hausregisseurin am Staatsschauspiel Dresden, deutlich heraus.

Zwischen den beiden jungen Männern knistert und flirrt es von Beginn an, als Tom in die italienische Urlaubsidylle von Dickie und seiner Freundin Marge (Josephine Tancke) eindringt. Bei Cocktails und Italo-Pop taxieren sie sich, Marge gerät mehr und mehr an den Rand. 

Wie schon in „Einsame Menschen“ am DT Berlin verlangt Löffner ihren Spielern auch hier vollen Körper-Einsatz ab. Die Liebesszenen werden ebenso explizit gespielt wie der Mord von Tom, der sich ertappt fühlt, an Dickie. Zu dröhnend-pathetischen Klängen inszeniert die Regisseurin diese Schlüsselszene.

Zwei Stunden starkes Theater mit glänzend besetzten Hauptdarstellern hat das Publikum bis dahin gesehen. Die zweite Hälfte dieser mehr als vierstündigen Roman-Adaption kann dieses Niveau nicht mehr halten. Ripley/Werdelis fehlt der Gegenpart, hier beginnt ein Versteckspiel mit langen Verhörszenen des Kommissars (Raiko Küster) nach einem weiteren Mord, der dazu dient den vorherigen zu vertuschen.

Zunehmend unruhig wird das sächsische Publikum, während Ripley seine chamäleonhaften Verwandlungen durchzieht, mit den Identitäten jongliert, die Leidenschaft und den Mord in seiner Phantasie noch einmal durchlebt und den Kopf schließlich aus der Schlinge zieht. Aalglatt und smart ist dieser raffinierte Betrüger und Mörder, den Simon Werdelis mit breitem Grinsen abgehen lässt.

„Der talentierte Mr. Ripley“ hatte am 7. März 2026 im Großen Haus des Staatsschauspiels Dresden Premiere.

Bilder: Sebastian Hoppe

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