Zu einem würdigen Gedenken an Bernd Wilms, der im Januar mit 85 Jahren verstorben ist, versammelte sich das Who is Who der Berliner Theaterszene in den Kammerspielen des DT. 2001 – 2008 war er Intendant des Hauses, nach schwierigem Start mit Grabenkämpfen zwischen Ost und West im Ensemble führte er das Haus zu fulminanten Erfolgen. Auf dem Höhepunkt, als das Deutsche Theater Berlin zum Theater des Jahres gekürt wurde, trat er ab.
Sehr persönlich waren die Erinnerungen von Stars wie Ulrich Matthes, Samuel Finzi, Jens Harzer (leibhaftig auf der Bühne), Katharina Thalbach und Corinna Harfouch (per Video-Schalte) und Nina Hoss (per Brief). Am spannendsten waren die kleinen Anekdoten und Hintergrundgeschichten zu den berühmten Inszenierungen jener Jahre: bei der Hauptprobe von Dimiter Gottscheffs „Perser“ hat sich Wilms enorm gelangweilt, rechnete mit einem Desaster, wollte schon den damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowerei ausladen. Trotz der archaischen Strenge entwickelte sich die Tragödie zum Publikumsrenner. Er verstehe die Welt nicht mehr, soll er gesagt haben.
Auch in einem anderen Fall lag er zunächst daneben. Michael Thalheimers legendäre „Emilia Galotti“ sollte 2001 nur in den Kammerspielen rauskommen, wechselte aber nach einem Zerwürfnis mit Franz Xaver Kroetz zur Saisoneröffnung auf die große Bühne, obwohl Wilms die Hamburger „Liliom“-Inszenierung grauenhaft fand und auch hier am liebsten die Notbremse gezogen hätte.
Als gelernter Dramaturg inszenierte Wilms nie selbst, sondern ermöglichte Spielräume, lockte das Publikum nicht nur mit Jürgen Gosch-Klassikern („Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, „Onkel Wanja“, „Die Möwe“), sondern einem bunten Angebot mit seiner Liebe für Operetten oder den legendären Quiz it-Nächten mit Timo Dierkes.

Vor dem Start am DT hatten Wilms und sein Chefdramaturg Oliver Reese (heute Intendant des Berliner Ensembles) das Gorki-Theater zu einem Volkstheater gemacht: Harald Juhnke spielte in Katharina Thalbachs „Hauptmann von Köpenick“ die Titelrolle, bis die Regisseurin immer häufiger selbst einspringen musste, Suse Wächter feierte mit ihren Puppen in der Studio-Produktion „Weihnachten bei Ivanovs“ von Aleksandr Vvedenskij in der Regie von Tom Kühnel/Robert Schuster erste Erfolge.
Vor seiner Zeit in Berlin sorgte er am Ulmer Dreisparten-Haus für Furore und setzte als Direktor der Münchner Otto Falckenberg-Schule die Aufnahme von Jens Harzer gegen Widerstände durch.
Die Matinee „Verweile doch“ fand am 12. Mai 2025 statt.
Bilder: Deutsches Theater Berlin