Saint Flesh mit Frithjof Seidel

Für ihre ungewöhnlichen Formate ist die Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz bekannt. Dazu zählt auch die „Saint Flesh“-Reihe von Duygu Ağal und Ricarda Hillermann, die „Gäste aus dem Grenzbereich von Theater/Performance und Sport“ einladen.

Für die aktuellste, mittlerweile sechste Ausgabe haben sie einen in vieler Hinsicht bemerkenswerten Athleten eingeladen. Dies beginnt schon damit, dass Frithjof Seidel als einer der wenigen Leistungssportler die queere Regenbogenflagge in seiner Instagram-Bio zeigt. Sehr außergewöhnlich ist seine sportliche Karriere. Er war Wasserspringer und durchaus erfolgreich in dieser Disziplin, entschied sich mit 23 Jahren während des Corona-Lockdowns, eine andere Sportart zu erlernen, in der er Exot war.

Bis 2015 war das Synchronschwimmen nur Frauen vorbehalten. Seidel war einer der Pioniere und wechselte als muskulöser Athlet in eine Sportart, die mit grazilen, dauerlächelnden Wasserballerinas in Glitzer-Badeanzügen assoziiert wird.

Der Talk und Einspieler einer NDR-Doku über den Athleten vermittelten den Eindruck, dass Seidel eher zufällig in den neuen Sport gerutscht ist, aber schnell Gefallen daran fand. Vom Training der Grundbegriffe mit den Kids schaffte er es schnell in den Nationalkader und zu EM-Silber 2023 als einziger Mann in der deutschen Equipe.

Mit Video-Material streifte der 90minütige Abend, laut Selbstbeschreibung auf der Website ein „Remix-Format aus Sportsendung, Kunst-Talk und Live-Tutorial“ die Geschichte des Synchronschwimmens bis zum Paris Fashion Week-Event von Christian Louboutin. Zwischendurch leitete Seidel die Aufwärmübungen der beiden Gastgeberinnen an oder beschmierte die Haare von Volksbühnen-Dramaturgin Hillermann mit der Gelatine, die den charakteristischen Dutt der Synchronschwimmerinnen formen.

Bild: Thomas Aurin

 

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