Danny Boyle führt in diesem Teil der Horror-Zombie-Saga nicht mehr Regie, ist nur noch einer der Co-Produzenten. Die Fortsetzung „28 Years Later: The Bone Temple“ fällt jedoch keineswegs ab, sondern ist ein fulminanter Genre-Film, der hervorragend in Szene gesetzt ist und mit kultur- und religionswissenschaftlichen Anspielungen gespickt ist.
Das Drehbuch schrieb wie seit „28 Days Later“ (2002) der Brite Alex Garland. Auf dem Regiestuhl nimmt diesmal Nia DaCosta Platz, eine junge schwarze Frau aus New York, die mit dem Horror-Remake „Candyman“ (2021) und einer Bearbeitung von Ibsens „Hedda“ (2025) auf sich aufmerksam machte.
Jüngere zeitgeschichtliche Einschnitte wie die Corona-Pandemie und der Brexit bereiteten den Boden für dieses Sequel, das seinem Publikum eine pechschwarze, postapokalyptische Dystopie zumutet. Man kann gar nicht genug Triggerwarnungen setzen: selten setzte ein Blockbuster, der sich auch ans Mainstream-Publikum wendet, so explizite Gewaltszenen ein. Wer Sorge hat, dies nicht auszuhalten, sollte den Film meiden, verpasst aber jenseits der Splatter-Sequenzen ein eindrucksvolles Film-Erlebnis.
Für sadistische, stumpfe Gewalt steht in diesem Film vor allem Sir Jimmy Crystal, der Anführer der Jimmies (Jack O´Connell), der seine Teenie-Jünger anstachelt, die wahllos ausgewählten Opfer zu foltern, die die Wege der Gang kreuzen. Als „Nächstenliebe“ verbrämt er dies. Anklänge an Traditionen und Begriffe des Christentums ziehen sich als roter Faden durch das Drehbuch und geben dem Horror-Film eine interessante Meta-Ebene. In die Fänge dieses Kults geriet der kleine Spike (Alfie Williams), die Hauptfigur von „28 Years Later“, der im Juni 2025 erschien.
Zum Gegenspieler dieser sadistischen, religiös-fanatischen Truppe und Zentrum dieses Sequels wird Ian Kelson (Ralph Fiennes), der in seiner Totengräber-Kultstätte auf den ersten Blick wie ein Verrückter erscheint, aber als ehemaliger Arzt darum kämpft, die letzten Spuren von Rationalität, Wissenschaftlichkeit und der Zivilsation zu retten, die in der Boyle/Garland-Welt zugrunde gegangen ist. MIt Hilfe von Rauschmitteln schafft er es, den im letzten Teil noch besonders wütend rasenden Alpha-Zombie (Chi Lewis-Parry) zumindest für Momente zu besänftigen. Wie er den Jimmy-Anführer im Showdown aufs Kreuz legt, ist allein schon das Kinoticket wert. Drehbuchautor Garland und Regisseurin DaCosta zeigen nicht nur in dieser Sequenz, wie gut sie ihr Handwerk beherrschen.
Ganz zum Schluss wird als Cliffhanger auch Cillian Murphy, Hauptdarsteller des Ursprungs-Films von 2002, wieder eingeführt. Auf das große Finale der Reihe dürfen wir gespannt sein.
„28 Years Later: The Bone Temple“ kam am 15. Januar 2026 in die Kinos.
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