Seit seiner Zeit als Regieassistent an Sebastian Hartmanns berühmt-berüchtigtem Leipziger Centraltheater eilt Alexander Eisenach ein Ruf voraus. Wild ausufernde Assoziationsgebirge sind manche seiner Inszenierungen, hier sei an „Weltall Erde Mensch“ erinnert, das zum Start von Iris Laufenbergs Intendanz im Spätsommer 2023 bei Kritik und Publikum durchfiel und schnell vom Spielplan verschwand.
Zweieinhalb Jahre später hat seine nächste Regie-Arbeit auf der großen Bühne des Deutschen Theaters Berlin einen ganz anderen Grundton. Überraschend eng lehnt sich seine Fassung an den Roman „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck, der schon 2008 erschien und seit kurzem Abi-Stoff ist.
Den Geschmack von Schulklassen dürfte der Abend am DT jedoch weniger treffen: sehr frontal wird aus dem Bühnen-Halbdunkel in den Saal gesprochen. Die 11 Kapitel plus Prolog und Epilog, in die sich das Geschichtspanorama gliedert, werden auch in den knapp drei Stunden recht brav nacherzählt und wesentliche Stationen deutscher Geschichte abgehandelt. Für die Überleitungen ist wie im Roman der Gärtner des Anwesens zuständig, als Faktotum mit Mantel und Mütze geistert Almut Zilcher über die Szenerie.

Wenig spielerisch, aber sehr didaktisch läuft fast jede Miniatur auf eine Geschichtslektion zu: genannt seien hier die Bereicherung der Nazis an jüdischen Vermögen, die Vergewaltigungen durch die Rote Armee oder das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“, das viele Ostdeutsche im Einigungsprozess der 1990er Jahre erboste.
Der Verlust des Grundstücks ihrer Großeltern am Scharmützelsee war auch der Schreibanlass für Erpenbecks Roman, die 1967 in Ost-Berlin geboren ist und nach ihrem Theaterwissenschafts-Studium auch selbst erste Inszenierungen realisierte, bevor sie sich auf ihre Arbeit als Autorin konzentrierte. Sichtlich zufrieden schien sie beim Schlussapplaus mit der Theater-Fassung ihres Romans. Eine sehr prominent besetzte Kino-Version von Volker Schlöndorff ist für Herbst 2026 angekündigt.
„Heimsuchung“ hatte am 23. Januar 2026 auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin Premiere.
Bilder: Eike Walkenhorst