Einer der ungewöhnlichsten Filme des vergangenen Kino-Jahres wird von der Berlinale als Special Gala zweitverwertet. „The Testament of Ann Lee“ lief schon im September 2025 im Wettbewerb von Venedig, anschließend auch in Toronto und London. Am 19. Februar 2026 bekommt es im Zoo-Palast seine Deutschland-Premiere.
Das ist einerseits eine Verbeugung vor dem kompromisslosen Kino des Paares Mona Fastvold/Brady Corbet, die schon in „The Brutalist“ zusammenarbeiteten und nun die Rollen tauschten: Fastvold firmiert als Regisseurin, Corbet als Co-Autor. Andererseits bringt diese Einladung den ansonsten so schmerzlich vermissten Hollywood-Glamour ins winterlich-graue Berlin: Hauptdarstellerin Amanda Seyfried war im Januar für einen Golden Globe nominiert.
Über weite Strecken wirkt „Das Testament von Ann Lee“ wie ein unkonventionelles, zu langatmiges Historien-Biopic über Ann Lee, die Gründerin der Shaker, einer evangelikalen Freikirche, die im 18. Jahrhundert enormen Zulauf hatte und heute fast vergessen ist. In den besonders zähen Passagen scrollten unverbesserliche Zuschauer*innen der Pressevorführung minutenlang über ihre Displays.
Doch die 136 Minuten sind dennoch wesentlich lohnender als „Der Brutalist“: Daniel Blumberg, der ebenfalls schon beim Vorgängerfilm mit Fastvold/Corbet zusammengearbeitet hat und einen Oscar für die Musik gewonnen hat, schrieb aus Shaker-Spirituals neue Songs, die das Biopic immer wieder zum mitreißenden Musical voller hymnischer Spiritualität und voller Energie transformieren. So wird „Das Testament von Ann Lee“ doch noch zu einem eindrucksvollen Kino-Erlebnis.
Bild: The Walt Disney Company GmbH