Seufzende Garderobenfrau: „Es gehen so viele raus, wir kommen kaum hinterher.“ – „Es spricht für sich.“ – „Ja, das spricht für sich.“
Zu diesem Zeitpunkt waren 2:20 h von angekündigten mehr als drei pausenloseh Stunden an ser absolviert. Zäh schleppte sich die freie Bearbeitung von Olga Ravn und Benny Claessens der Romane von Tove Ditlevsen dahin. Als Franz Beil zu einer Passage in demonstrativ schlechtem Englisch ansetzte, die er mit übel riechendem Qualm garnierte, war es auch für gutwilligere Beobachter nicht mehr auszuhalten.
Kontinuierlich lichteten sich die Reihen. Ein dramaturgischer roter Faden war nicht zu erkennen. Am ehesten konnten sich noch Ann Göbel als Titelfigur und Nikolay Sidorenko als ihr narzisstischwer Liebhaber in toxischer Beziehung in Szene setzen. Volksbühnen-Urgestein Kerstin Graßmann baute in ihren Monolog über Migräne einige Seitenhiebe gegen die steten NATO-Warnungen vor einer weiteren russischen Expansion ein, an denen Frank Castorf seine helle Freude gehabt hätte.

Allerdings hätte Frank Castorf seine Botschaft eleganter verpackt als Benny Claessens, immerhin Schauspieler des Jahres 2018, bei diesem unerfreulichen Regie-Versuch. Kurz vor der Übernahme von Matthias Lilienthal am Rosa Luxemburg-Platz bediente „Böses Glück/Cult of the Daughter“ die Klischees, wie besonders missglückte Volksbühnen-Abende aussehen, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder unter die Sternstunden oder bleibenden Inszenierungen mischten. Beides prägte den Ruf dieses Hauses.
Wer ebenfalls früher ging, aber wissen möchte, was noch geschah: Tatsächlich endet auch die Textfassung dieses zu langen Abends mit einem Monolog von Nikolay Sidorenko über ein leergespieltes, traditionsreiches Theater. Viel Aufwand für eine müde selbstironische Pointe des Regisseurs.
„Böses Glück/Cult of the Daughter“ hatte am 26. Februar 2026 in der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz Premiere.
Bilder: Apollonia Theresa Bitzan