Dieser wütende, autofiktionale Roman elektrisiert Theater- und Filmemacherinnen. Nach einer Verfilmung mit Vicky Krieps und einem Solo im Roten Salon der Volksbühne von Marie Rosa Tietjen adaptierte auch Felicitas Brucker „Love me tender“ von Constance Debré für die Münchner Kammerspiele.
Allerdings könnte ein Text kaum weiter weg von Theatralität und Bühnentauglichkeit als dieser lange Reflexions-Monolog über den Ausbruch von Debré, Enkelin eines französischen Premiers, aus ihrem Leben als erfolgreiche Anwältin und Ehefrau. Sie rechnet in kalten, analytischen Sätzen mit Bourgeoisie und Patriarchat ab, stürzt sich in lesbische One Night Stands, aus denen selten eine Affäre, nie eine Bindung wird, stählt ihren Körper beim täglichen Schwimm-Training und liefert sich einen Sorgerechtsstreit um den Sohn Paul mit dem Ex.
Als Oratorium mit drei Spielerinnen legt Felicitas Brucker, die mit ihrer Münchner „Nora“-Inszenierung zum Theatertreffen 2023 eingeladen war, an. Das Trio versammelt sich im Kreis und stimmt das „Kyrie eleison“ an. Verloren wirken sie auf der kargen Bühne der Therese-Giehse-Halle, nur ein paar Videoscreens für hin und wieder eingespielte Schwimm-Szenen, die Neonröhren und ein Pendel markieren Viva Schudts Bühnenraum.
Um so mehr Platz für die drei Spielerinnen, sich den Raum zu nehmen. Sie tigern herum, während abwechselnd eine von ihnen frontal spricht, finden sich zu zärtlichen Gruppenbildern zusammen oder tanzen zu Chanson, Rap und Rock.

In den besten Momenten dieser nicht ganz zweistündigen Adaption kann man auch kurz vergessen, dass dieser Abend auf einem Text beruht, der gar nicht fürs Theater gedacht und geschrieben ist. Das Trio Katharina Bach, Jelena Kuljić und Anette Paulmann spielt sich frei und trägt diesen Abend. Keine Überraschung bei diesen drei so unterschiedlichen Frauen, die zu den Aushängeschildern der Münchner Kammerspiele zählen: Katharina Bach wird im Mai 2026 nach dem „Wallenstein“-Marathon den 3sat-Preis bekommen, Annette Paulmann mit diesem Gastspiel ihre 10. Theatertreffen-Einladung feiern.
Immer wieder lassen sie kurz ihre geballte Energie aufblitzen und verleihen dem minimalistischen Oratorium und geschliffenen Monolog neue Facetten.
„Love me tender“ hatte am 16. Januar 2026 in der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele Premiere.
Bilder: Armin Smailovic