Im Dezember 1932, kurz vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, wurde das „Automatenbüfett“ der österreichischen Jüdin Anna Gmeyner uraufgeführt. Im Exil wurde sie vergessen, erst 2020 wurde das Stück wiederentdeckt: Barbara Frey inszenierte die Tragikomödie mit dem Burg-Starensemble als Volksstück über gebrochene Figuren in Marthalerischer Langsamkeit im Wiener Akademietheater.
Weitere große Häuser setzten das Stück ebenfalls auf den Spielplan: Resi-Hausregisseurin Elsa-Sophia Jach inszenierte es vor wenigen Wochen im Marstall. Komödienspezialist Jan Bosse bekam am DT Berlin sogar die große Bühne.
Seine Lesart betont das Schrullige der Figuren. In hinterwäldlerischen Kostümen verzetteln sich die Männer in ihrem Vereinsmeiertum. Leopold Adam (Felix Goeser) hat die örtlichen Honoratioren des Provinz-Städtchens zusammengetrommelt und schlägt ihnen ein neues Geschäftsmodell vor. Aufgeregt kreisen die Männer um sich selbst. Ihre Hormone bringt vor allem Eva (Mathilda Switala) in Wallung: Adam hat sie beim Angeln von einem Suizid-Besuch zurückgehalten und ins Automatenbüfett gebracht.
Das Abgleiten der Gesellschaft in den Faschismus wird in Jan Bosses Inszenierung nicht weiter thematisiert. Hier erleben wir eine Groteske tumber Männer, die sich ganz besonders wichtig nehmen und in wenig zielführenden Diskussionen aufreiben. Die handlungstreibenden Entscheidungen treffen die Frauen: neben der schon erwähnten Eva ist das Clementine Adam (Julischka Eichel), die im Automatenbüfett das Regiment führt. Hinter diesem heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff verbirgt sich ein zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr angesagtes Selbstbedienungsrestaurant, ein Vorläufer der heutigen Fast-Food-Ketten.
Erstaunlich selbstbewusst für damalige Zeiten sind die beiden Frauen-Figuren von Anna Gmeyner. Darin liegt wohl auch der Reiz der Theatermacherinnen, diese Ausgrabung heute auf den Spielplan zu setzen. Clementine setzt ihren Leopold vor die Tür und beginnt eine Affäre mit dem zwanzig Jahre jüngeren Pankratz (Janek Maudrich).

Die Inszenierung von Jan Bosse plätschert hingegen betulich. Jenseits des raumfüllenden Karusells (Bühne: Stéphane Laimé) und der spleenigen Kostüme (Katrin Plath) bietet der Abend noch Songs von Carolina Bigge, die sich das Ensemble in Solo-Auftritten aufteilt und am Schlagwerk begleitet. Mit fast drei Stunden zieht sich die Kleinstadt-Farce allerdings allzu sehr in die Länge. Für die große Bühne ist dieser Abend zu leichtgewichtig. Sinnvoller wäre eine gekürzte Fassung für die Kammerbühne.
„Automatenbüfett“ hatte am 26. März 2026 auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin Premiere.
Bild: Thomas Aurin