Berlinale 2010: Eröffnungsfilme Teil I

Die Gala – Eröffnung des Berlinale – Wettbewerbs hat sich schon oft als ein etwas schwieriger Termin erwiesen: Fast alles, was in Kunst und Politik Rang und Namen hat, stolziert durch das Schneetreiben über den Roten Teppich und mit Anke Engelke wurde diesmal auch eine hervorragende Entertainerin verpflichtet. Als Höhepunkt steht dann traditionell der erste Kandidat im Rennen um den Goldenen Bären auf dem Programm. Richtig überzeugend waren die Eröffnungsfilme der vergangenen Jahre jedoch selten, manche Flops wurden verrissen und sind zum Glück fast vergessen. Eine kleine positive Ausnahme war Tom Tykwers Banken – Thriller International von 2009.

Um es vorwegzunehmen: Auch 2010 ist der Eröffnungsfilm Tuan Yuan/Apart together kein großer Wurf, eher ein betuliches Melodram. Dabei klang die Ausgangskonstellation des Drehbuchs sehr viel versprechend. Regisseur und Drehbuchautor Wang Quan´an fasst das heiße Eisen des Dauerkonflikts zwischen der Volksrepublik China und Taiwan an, der erst in den vergangenen Tagen durch Waffenlieferungen der USA an den Inselstaat neue Schärfe bekam.

Bekanntlich mussten sich die nationalistischen Kuomintang 1949 nach ihrer Niederlage im Bürgerkrieg gegen Maos Kommunisten vom Festland zurückziehen. Sie bauten die Inselrepublik Taiwan auf, die seitdem ein diplomatischer Zankapfel der Weltpolitik ist und von der Volksrepublik China als abtrünnige Provinz mit Kontaktsperre belegt wurde.

Nur zögerlich ließ die Pekinger Parteiführung nach jahrzehntelanger Blockade die Einreise von Taiwanesen zu. Der Film schildert den ersten Besuch des ehemaligen Soldaten Liu Yansheng (gespielt von Ling Feng), der in seine alte Heimat Shanghai aufbricht, um seine Jugendliebe Qiao Yu´e (Lisa Lu) zu suchen. Er ist frisch verwitwet, sie hat sich in einer Versorgungsehe ohne große Leidenschaft über die Jahre eingerichtet.

Bald wird beiden klar: Die alten Gefühle flammen wieder auf. Am liebsten würden beide einen Neuanfang in Taipeh machen. Aber von der Idee sind erwartungsgemäß Qiaos Kinder nicht sonderlich begeistert, auch ihr Ehemann stünde plötzlich ohne sie da. Diesen Familien – Konflikt schildert Tuan Yuan in knapp 90 Minuten: Langweilig wird es nicht, aber vieles plätschert doch etwas zu gemächlich vor sich hin. Die eine oder andere Gesangseinlage am Ende des Films hätte man auch kürzen können.

Wer mit einem politischen Auge auf die Leinwand blickt, wird immerhin noch mit einigen interessanten Momentaufnahmen über die soziale Realität in der Volksrepublik China entschädigt: Die rasante Transformation der Boom – Metropole Shanghai wird in mehreren Einstellungen eingefangen. Die Zwangsumsiedlung von Familien, die dem Neubau der Wolkenkratzer weichen müssen, wird in kurzen Passagen der Handlung ebenso angetippt wie das Problem einer ausufernden Bürokratie mit Neigung zur Korruption.

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