Bei der letzten Vorstellung von „Demokratie“ am Deutschen Theater Berlin wagte Jürgen Kuttner nur wenige tagespolitische Anspielungen

Am Deutschen Theater Berlin stand an diesem Wochenende die letzte Aufführung von Demokratie nach Michael Frayn auf dem Spielplan. Eine ausführliche Kritik gab es zur Premiere hier.

Die Schlager-Geschichtsrevue hat auch nach knapp zwei Jahren nichts von ihrem Unterhaltungswert und ihrem Biss verloren. Vor ausverkauftem Haus wurden am Ende vor allem Bernd Stempel (als „Onkel“ Herbert Wehner), Daniel Hoevels (als Günter Guillaume) und Felix Goeser (als Willy Brandt) gefeiert.

Eine spannende Frage war, ob Jürgen Kuttner, der diesem Abend als Regisseur (gemeinsam mit Tom Kühnel) und Mitspieler seinen Stempel aufdrückt, tagespolitische Anspielungen einbauen würde. In einem längeren Monolog vor der Pause erwähnte er in einem kurzen Schlenker zwar die Pegida-Bewegung. Außerdem streifte er die aufgeregte Debatte um eine angebliche Lügenpresse. Es blieb aber bei sehr kurzen Andeutungen und Halbsätzen.

Auffällig war, dass die Sorge einiger Figuren in einem Bühnendialog, dass die FDP an der 5-Prozent-Hürde scheitern und in der außerparlamentarischen Bedeutungslosigkeit verschwinden könnte, keine nennenswerten Publikumsreaktionen auslöste. Und dies, obwohl sich die politischen Rahmenbedingungen bekanntlich mittlerweile grundlegend geändert haben: Zur Premiere war die FDP noch ebenso wie in der Bühnenhandlung an der Bundesregierung beteiligt, im September 2013 wurde das im Stück geäußerte Gedankenspiel, das die FDP aus dem Bundestag ausscheiden könnte, Realität.

<em>Demokratie nach Michael Frayn. – Regie: Tom Kühnel/Jürgen Kuttner. – Deutsches Theater Berlin

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