„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“: Ernst-Busch-Schauspielstudenten tanzen an der Schaubühne durch das Nachtleben der Weimarer Republik

Die Inszenierungen mit Studentinnen und Studenten der Berliner Hochschule Ernst Busch bieten eine gute Gelegenheit, sich einen ersten Eindruck von Nachwuchstalenten zu verschaffen, die oft einige Jahre später die Ensembles der großen Häuser verstärken. Wie im vergangenen Jahr erarbeitete Regisseur Peter Kleinert mit dem jeweiligen dritten Schauspiel-Jahrgang einen Stoff aus der Endphase der Weimarer Republik: Nach Die heilige Johanna der Schlachthöfe kam im Januar 2015 eine Adaption von Erich Kästners Roman Fabian – Der Gang vor die Hunde im Studio der Schaubühne heraus.

Der Stoff war für die Nationalsozialisten eine Provokation: Kästner zeichnete das Bild der untergehenden Weimarer Republik. Während sich die extremen Ränder links und rechts radikalisieren, treibt die eskapistische Flucht in ein ausschweifendes Nachtleben wilde Blüten. Fabian wurde unter dem Vorwurf der Pornographie dementsprechend als eines der ersten Werke im Mai 1933 auf dem Bebelplatz verbrannt.

Für das Ernst Busch-Ensemble sind die vielen Miniaturen aus der Biographie des Dr. phil. Jakob Fabian, der sich als Reklametexter für die Tabaklobby durchschlägt, sich nicht so recht auf die Dekadenz der Bordelle und Varietès einlassen will und nach seiner Kündigung vor dem Nichts steht, ein gefundenes Fressen. Sie schlüpfen voller Spielfreude in immer neue Rollen und Kostüme, die Drehbühne wird noch per Handarbeit bedient, wenn die Szenenfolge von der Redaktionsstube ins Cabaret oder in Fabians Privaträume wechselt.

Knapp zwei Stunden lang ist das durchaus unterhaltsam gemacht, auch wenn der Funke von der Bühne nicht so recht überspringen mag: Zu ähnlich sind sich die einzelnen Szenen, für einen richtigen Tanz auf dem Vulkan bleibt vieles doch zu brav.

Die umstrittensten Passagen des Abends sind die zahlreichen Momente, als die Schauspieler aus ihrer Rolle treten. Die Monologe, wie prekär die Lage für Schauspieler sei oder ein Seitenhieb gegen Pegida, wurden in manchen Kritiken besonders lobend erwähnt. Die Idee, das Porträt einer komplett verunsicherten Gesellschaft ganz konkret auf die Gegenwart zu beziehen, drängt sich auf den ersten Blick ja auch geradezu auf. In der Umsetzung ist diese Aktualisierung jedoch nicht gelungen, die Einschübe argumentieren zu sehr mit dem Holzhammer und könnten deshalb ersatzlos wegfallen.

Fabian – Der Gang vor die Hunde nach Erich Kästner. – Regie: Peter Kleinert. – Ca. 2 Stunden. – Premiere im Studio der Schaubühne: 24. Januar 2015

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