Viel Glamour, aber fade Gags bei der 50er Jahre-Hommage „Hail, Caesar!“ zur Berlinale-Eröffnung

George Clooney und Scarlett Johansson! Zwei der schillerndsten Stars, die Hollywood zu bieten hat: Festival-Direktor Dieter Kosslick ist zur Eröffnung der Berlinale ein echter Coup gelungen. Aber auch das restliche Staraufgebot kann sich sehen lassen: Ralph Fiennes! Tilda Swinton! Jonah Hill! Channing Tatum! Josh Brolin! Frances McDormand! Sie alle spielen in „Hail, Caesar!“, dem neuen Film der Brüder Ethan und Joel Coen mit.

Über mangelnden Glamour auf dem Roten Teppich konnte sich zur Eröffnung der Berlinale 2016 niemand beschweren. Der Film „Hail, Caesar!“ hielt aber leider nicht ganz, was die geballte Ladung hochkarätiger Könner versprach. Dass Programmheft kündigte den Film als „überdrehte Komödie“ an und verglich ihn mit „Burn after Reading“ (Eröffnungsfilm des Festivals in Venedig 2008).

Der Plot von „Hail, Caesar!“ bietet Momente zum Schmunzeln. Für eine aberwitzge Farce fehlt aber das nötige Tempo. Ohne zuviel zu verraten: Im Mittelpunkt der Handlung steht Eddie Mannix (Josh Brolin). Seine Frau liegt ihm damit in den Ohren, dass er endlich mit dem Rauchen aufhören soll. Im Job hat er alle Hände voll zu tun, dass sein Hollywood-Studio nicht im Chaos versinkt. Die Allüren seiner Filmstars sind ziemlich anstrengend. Die Diva DeeAnna Moran (Scarlett Johannson) zickt beim Meerjungfrauen-Ballett herum und ist schwanger, aber unverheiratet: Was für ein Skandal in den 50er Jahren! Das Teenie-Idol Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) ist als Western-Held ein Kassenmagnet, stößt aber schnell an seine Grenzen, wenn er die Dialoge in einer Komödie sprechen soll. Zu allem Überfluss ist auch noch der Star des neuen Sandalen-Historienschinkens wie vom Erdboden verschwunden: Ist Baird Whitlock (George Clooney) mal wieder auf einer seiner berüchtigten Sauftouren? Es ist zum Hasareraufen. Kein Wunder, dass Mannix überlegt, das Filmbusiness zu verlassen und lieber zum Rüstungskonzern Lockheed zu wechseln.

Am stärksten ist der Film, wenn er als satirische Hommage an das Kino der 50er Jahre in die damals beliebtesten Genres eintaucht: neben dem monumentalen Historienfilm mit biblischen Motiven (á la „Ben Hur“) und den Western sind das Musicals (hier mit Matrosen) und Theater-Adaptionen vom Broadway. Charmant gemacht ist auch, wie die Paranoia der McCarthy-Ära vor einer Unterwanderung durch die Kommunisten aufgespießt wird. Zu viele Längen und zu wenige zündende Gags machen diese guten Ansätze zunichte. Deshalb bekam der neueste Coen-Film „Hail, Caesar!“ auch vor wenigen Tagen beim US-Kino-Start oft nur mäßige Kritiken. Hinter den Meisterwerken der beiden regieführenden Brüder bleibt er zurück. Aber bei der Eröffnungsgala der Berlinale steht ja ohnehin das „Sehen und Gesehenwerden“ im Mittelpunkt.

„Hail, Caesar!“ startet nächste Woche am 18. Februar auch außerhalb der Berlinale in den deutschen Kinos.

Weitere Berichte von der Berlinale folgen in den nächsten Tagen hier und als Kurzkritiken auf Twitter

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