Die Brüder Brasch

Nur zwei kleine Tische für vier Personen: So minimalistisch ist das Bühnenbild für die Collage „Die Brüder Brasch“, die am Wochenende wieder in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu sehen war.

Eigentlich sollten dort vier Schauspielerinnen und Schauspieler Platz nehmen. Da aber Simone von Zglincki krankheitsbedingt ausfiel, las neben Daniel Hoevels, Ole Lagerpusch und Katrin Wichmann diesmal Marion Brasch selbst.

Die Radio Eins-Journalistin erzählte in ihrem 2012 erschienen Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ vom Drama ihrer Familie und gestaltete gemeinsam mit Lena Brasch diesen anderthalbstündigen Abend „Die Brüder Brasch“.

Alle drei Brüder sind früh gestorben, waren rebellisch und begabte Künstler. Auf unterschiedliche Arten lehnten sie sich gegen ihren Vater Horst Brasch auf, der nach seiner Rückkehr aus dem Exil beim Aufbau der DDR mithalf und schnell bis zum stellvertretenden Kulturminister aufstieg.

Der mittlere Bruder Klaus erlebte nicht mal seinen 30. Geburtstag. Der Schauspieler starb kurz nach den Dreharbeiten zum preisgekrönten DEFA-Film „Solo Sunny“.

Der bekannteste des Trios ist Thomas Brasch: er eckte schon auf dem Internat an und verließ die DDR nach seinem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach. Beide sind in einem schönen Video-Einspieler vom Ende der 90er Jahre zu erleben, wie sie gemeinsam am Gorki Theater den Text „Mädchenmörder Brunke“ von Thomas Brasch vortragen und liebevoll-neckisch miteinander umgehen.

An seinen größten Erfolg „Vor den Vätern sterben die Söhne“ (1977) konnte Thomas Brasch nicht mehr anknüpfen. Er fühlte sich im Westen auf die Rolle des prominenten Funktionärs-Sohns reduziert, der als Kronzeuge gegen den „Klassenfeind“ aussagen sollte. Dies führte auch zu einem Eklat bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 1981, der ebenfalls an diesem Theaterabend dokumentiert wurde: Als Brasch für „Engel aus Eisen“ ausgezeichnet wurde und neben Ministerpräsident Franz-Josef Strauß auf der Bühne stand, dankte er demonstrativ der Filmhochschule der DDR für seine Ausbildung.

Nach dem Fall der Mauer verschärfte sich seine Schreibkrise. Bis zu seinem frühen Tod mit nur 56 Jahren im Jahr 2001 veröffentlichte er nur noch wenige Werke.

Wenige Monate zuvor starb der jüngste Bruder Peter Brasch, der im Jahr der Biermann-Ausbürgerung exmatrikuliert wurde. Er machte sich zwar als Autor von Hörspielen für Kinder einen Namen, stand aber im Schatten seines berühmteren Bruders.

Marion und Lena Brasch bastelten aus Videoeinspielern und Textausschnitten der drei Brüder eine sehens- und hörenswerte Collage, die von der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot musikalisch begleitet wird. Anfangs findet man sich noch schwer zurecht, da der Abend recht unvermittelt mit zwei Figuren aus Brasch-Texten beginnt, die sich gegenseitig anzicken. Erst dann wird das Panorama der drei Brüder klarer und vor allem auch für jene interessant, die sich bisher noch gar nicht oder nicht intensiv mit der Künstler-Familie aus der DDR auseinandergesetzt haben.

Dieser Stoff wäre ideal für ein gemeinsames Projekt des Regie-Duos Jürgen Kuttner/Tom Kühnel, die sich einmal pro Spielzeit am Deutschen Theater in einer Revue mit politisch aufgeladenen Zeitreisen befassen.

Bild: Arno Declair

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