Café Society

Auch in hektischen und unübersichtlichen Zeiten ist auf manche Dinge Verlass: Es wird Herbst und ein neuer Woody Allen-Film startet im Kino.

Auch mit 80 Jahren ist der Regisseur unermüdlich. „Café Society“ entführt sein Publikum in die goldene Ära von Hollywood in den 30er Jahren. Der Film beginnt mit einer Party der Reichen, Schönen und Einflussreichen an einem Pool unter kalifornischer Sonne. Sie pflegen Konversation und unterstreichen mit Name-Dropping, wie gut sie vernetzt sind. Im Mittelpunkt der Party steht der Filmagent Phil (Steve Carell), ein Strippenzieher mit netter Ehefrau und bildhübscher Sekretärin (Kristen Stewart).

In dieser Glamour-Welt kommt eines Tages Phils Neffe Bobby an. Er stammt aus einer jüdischen Ostküstenfamilie und versucht, sich in dem neuen Umfeld mit seinen staunenden Augen und linkischem Charme zurechtzufinden. Eine Rolle wie gemacht für Jesse Eisenberg, der schon in „Social Network“ als Mark Zuckerberg seine Nerd-Qualitäten zeigte.

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Woody Allen macht aus dieser Dreiecks-Konstellation eine romantische Tragikomödie. Untermalt von Jazz- und Swing-Klängen schwelgt  sein Kameramann Vittorio Storaro, ein Altmeister seines Fachs, in schönen Bildern. Der Plot kann jedoch nicht ganz mithalten: recht betulich und mit zu wenigen funkelnden Dialogen entfaltet sich die Geschichte eines jungen Liebespaares und seiner anschließenden Ernüchterung. Jahre später treffen sie sich wieder und halten sich vor, wie sehr sich verändert haben: Sie sind zynisch geworden und haben ihre Ideale über Bord geworfen.

„Café Society“ ist ein solider, aber doch recht belangloser Unterhaltungsfilm. Die beiden Jungstars Eisenberg und Stewart machen ihre Sache zwar sehr gut. Wegen einiger Längen des Drehbuchs und wegen „dramaturgischer Ungenauigkeiten“, die auch Daniela Sellmann im Tagesspiegel beklagte, haben sie doch einige Mühe, den Film über 96 Minuten zu tragen.

Seine Weltpremiere erlebte Woody Allens neuer Film bei der Eröffnungs-Gala des Filmfestivals in Cannes am 11. Mai 2016. Die Berlinale versucht traditionell, mit dem Glamour an der Côte dAzur mitzuhalten, steht aber meist doch im Schatten des französischen Nachbarn. Zur diesjährigen Eröffnung setzten beide Filmfestspiele auf nostalgische Ausflüge bekannter US-Regiegrößen in die frühen Jahre Hollywoods. Weder „Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern in Berlin noch „Café Society“ in Cannes von Woody Allen waren wirklich herausragende Filme. Im Gesamtwerk der Regisseure liegen diese Filme jeweils nur im Mittelfeld. Aus meiner Sicht hatte die Berlinale aber diesmal die Nase vorn: mit der Satire „Hail, Caesar!“ feierte sie eine gelungenere Eröffnung als die Konkurrenz in Cannes mit „Café Society“.

„Café Society“ startete am 10. November 2016 in den deutschen Kinos. Webseite und Trailer

Bilder: Sabrina Lantos,  © 2016 GRAVIER PRODUCTIONS, Inc.

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