Der Vorname

Das Pingpong der Pointen funktioniert reibungslos, das Timing sitzt: Dass Sönke Wortmann, der 1994 mit der Comic-Verfilmung „Der bewegte Mann“ bekannt wurde, das Handwerk der Boulevard-Komödie beherrscht, hat ohnehin niemand bezweifelt. In „Der Vorname“, der Adaption des französischen Theater-Hits „Lé prenom“ von Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte, das seit 2010 auf zahlreichen Bühnen steht und vom Autorenduo auch bereits 2012 verfilmt wurde, stellt er es erneut unter Beweis.

Wie es in diesem Genre üblich ist, blamiert sich die wohlsituierte Tischgesellschaft bei einem völlig entgleisten Abendessen bis auf die Knochen. Zunächst gibt es nur kleine Sticheleien, sobald die Eskalationsspirale in Gang gesetzt ist, wirft man sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf und zerrt wohlgehütete Geheimnisse hervor. Auslöser ist im konkreten Fall ein böser Scherz, den sich Yuppie Thomas (Florian David Fitz) erlaubt: er gibt vor, dass er seinen Sohn Adolf nennen will. Sein Schwager Stephan (Christoph Maria Herbst) tut ihm den Gefallen, schluckt den Köder und geht erwartungsgemäß an die Decke, dass diese Verharmlosung der Nazi-Verbrechen nicht hinnehmbar sei.

Die Figuren sind stark überzeichnete Klischees: Literaturprofessor Stephan ist ein aufgeblasener Pseudo-Intellektueller, gegen den Herbsts Paraderolle und Kunstfigur „Stromberg“ wie ein bescheidener, zurückhaltender Zeitgenosse wirkt.

Sein Gegenüber Thomas spielt Florian David Fitz als Yuppie-Aufsteiger ohne Schulabschluss und Sonnyboy mit verschmitztem Dauergrinsen. Zwischen die Fronten geraten der Klarinettist René (Justus von Dohnányi), auf dessen Kosten der Film einige homophobe Gags vom Stapel lässt, und Anna, die verspätet dazukommende Mutter des Kindes, die bei Janina Uhse zur prolligen, trotz Schwangerschaft rauchenden, bei Castings regelmäßig scheiternden Möchtegern-Schauspielerin wird. Immerhin kann Burg-Schauspielerin Caroline Peters als Elisabeth (Grundschullehrerin und Frau des Professors, die für ihn ihre Karriere aufgegeben hat), den Film als Erzählerin der Rahmenhandlung am Anfang und Ende etwas erden.

Aus den beschriebenen Gründen ist „Der Vorname“ ein zwiespältiges Vergnügen, das als handwerklich solide gemachter Unterhaltungsfilm Spaß macht, solange man über die fragwürdigen Botschaften der Ansammlung von Klischees hinwegsieht.

Bilder: © 2018 Constantin Film Verleih GmbH

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