Rolling

Zunächst kommt Maxwell Cosmo Cramer ganz alleine auf die Bühne: im schlabbrigen Freizeitlook eines Langzeit-Studenten scrollt er sich durch das Display seines Smartphones, wirft einige Filmtitel hin und deutet kurz pantomimisch eine Szene daraus an.

Erst nach und nach kommen alle zehn Performer*innen auf die Bühne. Die Gruppenszenen werden im Lauf des Abends elaborierter, das Grundprinzip bleibt aber gleich: die Filmgeschichte wird in einer wilden Tour de Fource in einen großen Mixer geworfen und durchgeschüttelt. Scheinbar wahllos surft das Ensemble durch Jahrzehnte und Genres, macht mal hier Stopp, um eine ikonische Szene nachzuspielen, widmet sich aber auch gerne den abseitigen und vergessenen Perlen.

Die Britin Melissa Holley imitiert mehrfach Bette Davis, Challenge Gumbodete parodiert die 80er Jahre-Diva Grace Jones, Tian Gao bringt ostasiatische Melodramen in den Abend ein. Vorzugsweise landen die glorreichen Zehn immer wieder bei den bekannten Musical-Verfilmungen, die sie in voller Mannschaftsstärke performen.

Die Grundidee des Belgiers Michael Laub und seiner in den 80er Jahren gegründeten Remote Control Productions ist amüsant: aus ihrer Collagetechnik entstehen in den besten Momenten spannende Verfremdungseffekte zwischen zwei Filmen, die aneinander gekoppelt sind. Dies gelingt aber zu selten. Über zwei Stunden trägt die charmante Idee nicht ganz, ein Abnutzungseffekt wird spürbar.

Nach der Premiere im Berliner HAU 1 wird „Rolling“ im Juli auch beim koproduzierenden Wiener ImPulsTanz-Festival zu erleben sein.

Bilder: Dorothea Tuch

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