Sieben Verzweifelte schleppen sich durch die Nacht. Über einen U-Bahn-Schacht kämpfen sie sich Schritt für Schritt nach vorn. Erst wortlos, dann Passagen aus dem Langgedicht „Let them eat chaos“ von Kae Tempest in deutscher Übersetzung im Chor sprechend.
Die Körper seiner Spieler*innen zu choreographieren ist eine der Stärken des Regisseurs Sebastian Nübling, der lange an Shermin Langhoffs Gorki Theater inszenierte und hier seine zweite Arbeit am DT Berlin zeigt. Unterlegt von Geräuschfetzen vorbeiziehender Fußball-Fans oder der nächsten Waggons auf den Gleisen ziehen die sieben einsamen Großstadtmenschen unbeirrt ihre Bahnen.
Jede und jeder von ihnen bekommt in den 75 Minuten ein kleines Solo, kurze Skizzen zeigen in Close-ups die bereits bekannte Verzweiflung der Figuren. Nur eine einzige Klangfarbe kennt dieser kurze Abend: Fehlende Hoffnung, Verzweiflung und Apathie. Wie Zombies wirken die Figuren und erinnern an die Klimakrisen-Opfer aus dem T.C. Boyle-Roman „Blue Skies“, die seit September 2024 ihre depressiven Kreise auf der Kammerbühne des Deutschen Theaters Berlin ziehen.
Facettenreicher ist das Original von Kae Tempest: die dort anklingende Hoffnung fehlt an diesem düster-apokalyptischen Verzweiflungsabend, der am 28. November 2025 in der Kammer des Deutschen Theaters Berlin Premiere hatte.
Bild: Thomas Aurin