Rosebush Pruning

Ein funkelnder, campy-queer glitzernder Farbtupfer im Berlinale-Wettbewerb ist die MUBI-Produktion „Rosebush Pruning“ von Karim Aïnouz. 

Der brasilianisch-algerische Regisseur ist nach „Praia do Futuro“ (2014) zum zweiten Mal im Berlinale-Wettbewerb vertreten und kehrte zum Festival im eisig-schmuddeligen Winter zurück, obwohl er die Karriereleiter bereits weiter hochgestiegen ist und 2x bei einem der beiden verbliebenen A-Festivals in Cannes in den Wettbewerb eingeladen war. Zuletzt zeigte er dort 2024 den queeren Noir „Motel Destino“.

Statt der tropischen Schwüle seines letzten Films erleben wir diesmal die strahlende Sommersonne Südeuropas: Ein blinder, alter, reicher Mann (Tracy Letts) von der US-Ostküste hat sich mit seinen mittlerweile erwachsenen Kindern in einer Villa bei Katalonien niedergelassen. Welch seltsame Rituale dort herrschen und wie inzestuös aufgeladen das erotische Begehren der Geschwister ist, muss Martha (Elle Fanning), die neue Freundin von Jack (Jamie Bell), beim ersten Besuch erfahren.

„Rosebush Pruning“ ist eine von Marco Bellocchios Debüt „Die Faust in der Tasche“ (1965) inspirierte queere Familien-Tragödie, der deutlich die Drehbuch-Handschrift von Efthymis Filippou anzumerken ist. Seit 2009 arbeitete er regelmäßig an vielen Filmen seines griechischen Landsmanns Yorgos Lanthimos mit, der seit dem gemeinsamen Debüt „Dogtooth“ für klaustrophobische Familienaufstellungen mit tiefschwarzem Humor bekannt ist.

Nur einer gelang der Ausstieg aus diesen inzestuösen Fesseln: die Mutter ließ sich für tot erklären und lebt mit der Gärtnerin in einer neuen lesbischen Beziehung. Pamela Anderson hat auf dieser Berlinale noch mal einen standesgemäßen Auftritt im Badeanzug, der ihr noch immer steht.

Wesentlich zum Gelingen trug auch Hélène Louvart, eine der besten Kamera-Könnerinnen, bei, die nicht nur das Begehren, sondern auch alle Rachefeldzüge und vor allem die leitmotivisch wiederkehrenden Wölfe hervorragend in Szene setzt.

„Rosebush Pruning“ hatte am 14. Febuar 2026 im Berlinale-Palast Premiere.

Bilder: Felix Dickinson

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