Die Blutgräfin

Wien in all seinem Glanz und all seiner Morbidität ist die eigentliche Hauptdarstellerin der Vampir-Komödie „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger.

In blutrot getaucht ist die zweite Hauptdarstellerin: Isabelle Huppert, eine der Grande Dames des französischen und europäischen Kinos, die hier die sagenumwobene ungarische „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory verkörpert. Ihre Zofe Hermine (Burgtheater-Star Birgit Minichmayr) hat sie stets im Schlepptau.

Die beiden Frauen sind nicht nur auf der Suche nach dem Blut attraktiver Frauen, wie es sich für einen Film von Ottinger, einer Pionierin des lesbischen Kinos gehört, sondern auch nach einem Buch, das in einer Gruft verschlossen ist. Auf ihren Fersen sind allerlei tölpelhafte Männer, darunter die schrulligen Vampirologen Theobastus Bombastus (André Jung) und Nepomuk Nachbiss (Marco Lorenzini) und der überforderter Polizei-Inspektor Unglaube (Karl Markovics). Auch das schwarze Schaf der Familie, der Neffe Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau (Thomas Schubert) kreuzt ihren Weg: Zum Leidwesen der Tante genießt er lieber Süßspeisen im Café Hawelka als Blut. Im Schlepptau hat er den mansplainenden Therapeuten Theobald Tandem, eine typische Rolle für Lars Eidinger.

Dieses Alterswerk hatte bei einer Berlinale Special Gala im Zoo-Palast am 16. Februar 2026 seine Premiere. Zwei Besonderheiten sind noch zu vermelden: Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek schrieb am Drehbuch mit, konnte ihm aber keinen Stempel aufdrücken: „Die Blutgräfin“ ist eine nette Schmunzelkomödie, der jedoch der richtige Biss fehlt. Für den in diesem Jahr wenig Glanz verströmenden Wettbewerb um die Goldenen Bären erschien er jedoch auch den Festival-Kuratoren zu leichtgewichtig.

Neben all den Film- und Theatergrößen, darunter auch Burgtheater-Altmeister Branko Samarovski als Nachtportier, hat auch Tom Neuwirth alias Conchita Wurst noch einen Auftritt: zunächst als Zeremonienminister, danach mit Gesangseinlage an einem besonders beeindruckenden Wiener Drehort.

Bild: © Amour Fou Vienna, Amour Fou Luxembourg, Heimatfilm / P. Domenigg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert