Spirit and the Dust

Der US-amerikanische Autor Noah Haidle hat einen großen Fan: zum dritten Mal inszeniert Anna Bergmann eine Uraufführung seiner Stücke. Nach „The Homemaker“ (2015 in Hannover) und „Birthday Candles“ (2022 noch bei Uli Khuons Intendanz in der DT-Kammer) inszeniert sie nun auch „Spirit and the Dust“ auf der großen Bühne des DT Berlin. Im Programmheft-Interview schwärmt die Regisseurin und ehemalige Karlsruher Schauspieldirektorin von den Qualitäten dieses New Yorker Autors.

Schon sein letztes Stück war nicht überzeugend und auch „Spirit and the Dust“ lädt nicht dazu ein, es auf weiteren Bühnen nachzuspielen. Konstruiert wirkt der Soap-Plot über die Traumata der Mütter, die um drei tote Kinder trauern. „Spirit and the Dust“ ist ein sentimentales Kammerspiel, wie man es in Berlin eher auf den Ku´damm-Bühnen als am DT vermuten würde.

Glücklicherweise ließ sich Anna Bergmann ein Regie-Konzept einfallen, mit dem sie aus der Vorlage noch einiges rauskitzelt. Sie konzentriert sich auf die vorsichtige, zarte Annäherung zweier alternder, einsamer Seelen. Die Maklerin Hope (Corinna Harfouch) und der Altphilologe Lee (Alexander Khuon) sind ein ganz zauberhaftes, scheues Paar. Ein gelungener Gag für das DT-Stamm-Publikum: Alex Khuon, eigenlich 15-20 Jahre zu jung für diese Rolle, wurde mit Pullis und Anzügen so ausstaffiert, dass er seinem Vater, dem ehemaligen Intendanten Uli Khuon, diesmal sehr ähnlich sieht. Wenn Khuon jr. aus der Figur des kaltgestellten Lateinlehrers die Begeisterung für antike Mythen und Bildungs-Zitate heraussprudeln lässt, taucht sein Vater und langjährige Präsident des Bühnenvereins vor dem inneren Auge auf.

Zwischen all den Trauer-Ritualen träumt sich die Inszenierung immer wieder in eine bonbonbunte Retro-Musical-Welt á la „La La Land“ weg. Zu Choreographien von Rônni Maciel und Evergreens wie „Singing in the Rain“ tänzelt das Ensemble leichtfüßig über die Bühne, am schönsten sind die Video-Einspieler vom frisch verliebten Paar auf der Brücke über die Spree.

Die Retro-Muscial-Show hat durchaus ihren Charme, doch passt sie nicht so recht zum Rest des knapp zweistündigen Abends, der auf Lindenstraßen-Niveau vor sich hinsuppt.

„Spirit and the Dust“ wurde am 27. Februar 2026 auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin uraufgeführt. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert