Birthday Candles

Bei der Wahl ihrer Theaterrollen hat Corinna Harfouch in diesem Jahr kein glückliches Händchen: im Februar wirkte sie in der Gorki-Produktion „Queen Lear“, die sich nicht zwischen klamaukiger Star Wars-Parodie und feministischer Shakespeare-Überschreibung, deplatziert und verloren. Knapp zwei Monate später ist sie Stargast am Deutschen Theater in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Birthday Candle“, einem neuen Stück des US-amerikanischen Dramatikers Noah Haidle, der in diversen Spielplänen vom Nationaltheater Mannheim bis zur Komödie am Kudamm mit wie am Fließband produzierten Stücken.

Corona-bedingt musste die Uraufführung seines neuen Stücks „Birthday Candles“ um zwei Jahre verschoben werden. Die Broadway-Produktion wurde nur verhalten aufgenommen, die New York Times sah einen Aufguss früherer Stücke und auch in Berlin zündet der banale Stoff nicht.

Während in New York mit einer Sitcom-Darstellerin in der Hauptrolle schon nach 90 Minuten Schluss ist, wird die Berliner Fassung auf zwei Stunden ausgewalzt. Die Höhepunkte kann man aber an den Fingern einer Hand abzählen: die Bühne von Jo Schramm ist sehr wandlungsfähig und unterstreicht, dass hier einer der interessantesten Bühnenbildner am Werk ist, auch die im Lauf des Stücks in Sebastian Pirchers Video-Installation eingebauten Kinder- und Jugendfotos des Ensembles sind ein nettes Gimmick, und Enno Trebs hat ein schönes „It´s a wonderful life“-Solo.

Corinna Harfouch in „Birthday Candles“

Das Kernproblem des Abends ist aber, dass der Text von Noah Haidle so dünn und nichtssagend ist wie der lieblos gestaltete Programm-Flyer. Zwei zähe Stunden lang schleppt sich der Abend zwischen verquasten Beschwörungen des Universums und der Familien-Soap über Ernestine Ashworth dahin. Intendant Ulrich Khuon hatte das richtige Gespür, dass er dieser Broadway-Tragikomödie trotz Starbesetzung nur die Kammerspiele und nicht die große Bühne anbot: Auch eine Corinna Harfouch kann dem klapprigen Plot kaum Leben einhauchen, wir folgen ihrer Figur von Pubertät über unglückliche Ehe und zweiten Frühling bis zum Schicksal einer dementen Greisin, die stoisch ihren Geburtstagskuchen backt.

Die selbstironische Referenz auf den „Queen Lear“-Flop gehört zu den interessanteren Passagen eines Abends, der vom Premierenpublikum gefeiert wurde, aber schnell abgehakt werden kann. Blass bleibt vor allem die Regie von Anna Bergmann: um die Karlsruher Schauspieldirektorin, die nach „Persona“ erneut in Berlin inszeniert, wurde es zuletzt recht still. Ihr feministischer Aktivismus für mehr Frauen im Regiefach kann nicht davon ablenken, dass ihre künstlerische Arbeit stagniert und sie aus dem dürftigen Haidle-Text wenig herausholen konnte.

Bilder: Arno Declair

One thought on “Birthday Candles

  1. J. Bonkowski Reply

    Dieser „dürftige Haidle-Text“ wurde großartig von Anna Bergmann und den Schauspieler/innen des Deutschen Theaters auf die Bühne gebracht. Gerade die Einfachheit der Geschichte über Ernestine widerspiegelt ein Frauenbild, das so oder ähnlich millionenfach gelebt wurde und wird, das aber auch Raum lässt für Fragen wie: „Warum ordnen Frauen ihre Träume und Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung oftmals den Interessen der Familie unter und muss das so bleiben?“ Es gab viel zwischen den Zeilen zu lesen bzw. zu hören, wenn man es wollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.