Possession

So hässlich wie von Bruno Nuyttens Kamera wurde Berlin selten eingefangen. Graue Tristesse, kaum ein Mensch auf der Straße oder in der U-Bahn. Am deprimierendsten ist der Blick von der fintersten und dreckigsten Ecke West-Berlins im hintersten Winkel Kreuzbergs auf die Mauer.

Das ist das Setting von Andrzej Żuławskis Mystery-Drama „Possession“ aus dem Jahr 1981. Der Film streift mehrere Genres: Body-Horror, Ehedrama, Kolportage und spielt mit Motiven von Esoterik bis Kafka. Alles andere als stringent sind die 120 Minuten der ungekürzten, in 4 K restaurierten Fassung, die noch bis 24. März 2026 in der arte-Mediathek abrufbar ist.

Lohnend ist der Jahrzehnte alte Film wegen Isabelle Adjani. Sie spielt Anna, die sich von ihrem Mann Mark (Sam Neill) abwendet und immer tiefer in den Wahnsinn abdriftet. Hysterische Schreie und Selbstverletzungshandlungen gehören noch zu den jugendgerechteren Szenen ihrer schauspielerischen Tour de Force, die ihr 1981 in Cannes eine Silberne Palme als beste Schauspielerin und ein Jahr später den ersten von fünf Césars einbrachte: Rekord in der französischen Filmbranche.

Der Plot wirkt etwas krude, je tiefer er in den Kreuzberger Hinterhöfen versinkt, wo Anna mit einem Tentakel-Wesen regiert, nachdem sie nach Mark auch dem esoterischen Muttersöhnchen Heinrich (Heinz Bennent) den Laufpass gegeben hat. 

Bild: MUBI

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