Er genießt es sichtlich, hier alle Register eines Ekelpakets zu ziehen: Schaubühnen-Star Lars Eidinger, der als „Richard III.“ und „Hamlet“ für ein ausverkauftes Haus sorgt, spielt den Harpagon als selbstzufriedenen Boomer, der die Familie schikaniert, Sprüche klopft und nach einer jungen Frau giert. Mit ausgestopfter Wampe und Hausmeister-Mütze ist er erst auf den zweiten Blick zu ergänzen, reißt den Abend aber an sich und macht daraus eine Lars Eidinger-Show.
Einige Abwanderungen gibt es, aber die Fanbase jubelt: Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier traf offensichtlich den Nerv der Eidinger-Anhänger. Mit einer ganzen Batterie von Kalauern, Slapsticks und kleiner Tänzchen gibt Eidinger dem Affen Zucker, mit dem Vollblut-Komödiant Damir Avdić (als Sohn Cléante) bekommt der Star auch zumindest einen echten Gegenpart.
Gemeinsam mit Chef-Dramaturgin Maja Zade entstaubte Ostermeier die Molière-Komödie aus dem 17. Jahrhundert, die sich ihrerseits bei einer Vorlage von Plautus aus dem alten Rom bediente. Mit flapsiger Alltagssprache und viel Jugend-Slang zielt der Edelboulevard-Abend auf sichere Lacher.
Molières Original-Inszenierung wurde damals früh abgesetzt, die Schaubühnen-Version dürfte eine bessere Zukunft vor sich haben: alle Vorstellungen bis Mai waren schon vor der Premiere ausverkauft. Wer sich nicht vom minutenlangen exzessiven Stroboskop-Einsatz kurz vor der Zielgeraden und den albernen Einlagen nicht abschrecken lässt, darf sich auf einen Unterhaltungstheater-Abend freuen, der ganz auf den Star zugeschnitten ist.
„Der Geizige“ hatte am 2. April 2026 im Saal B der Schaubühne am Lehniner Platz Premiere.
Bild: Gianmarco Bresadola