The Watermelon Woman

Mit einer Mockumentary über die Unsichtbarkeit lesbischer, schwarzer Frauen sorgte Cheryl Dunye auf der Berlinale 1996 für Aufsehen, also lange vor Debatten um Intersektionalität.

Die junge Regisseurin spielt auch die autofiktionale Hauptrolle der Cheryl, die in einer Videothek in Philadelphia jobbt und vom Durchbruch als Filmemacherin träumt. Beim Bingewatching alter Hollywood-Schinken der 1930er Jahre stellt sie fest, dass schwarze Frauen auf Stereotypen und Nebenrollen reduziert wurden. So weit, so bekannt und real.

Cheryl Dunye erfand eine komplette Biografie für ihre fiktive Schauspielerin Fae Richards, die als namentlich nicht genannte „Watermelon Woman“ in einem Film mitgespielt haben soll. Mit Fake-Interviews und Besuchen in einem ebenfalls nur ausgedachten C.L.I.T.-Archiv der lesbischen Bewegung gräbt sich Dunye immer tiefer in ihre Suche ein.

Die parallele Handlung bildet eine Rom-Com über die Affäre von Cheryl mit der weißen Diana (Guinevere Turner, die als Schauspielerin und Drehbuchautorin einige Filme des lesbischen US-Indie-Kinos der 1990er prägte). 

„The Watermelon Woman“ gewann 1996 sowohl den Teddy für den besten schwullesbischen Spielfilm der Berlinale und auch den Publikumspreis auf dem Outfest, außerdem lief er 1996 in Toronto und 1997 in Rotterdam. Als Zeitdokument des Black Cinema und des New Queer Cinema wird der Film regelmäßig gezeigt, sowohl 2016 als auch 2026 lief er in Retrospektiven zu Teddy-Jubiläen. Derzeit ist er auch auf MUBI abrufbar.

Bild: MUBI

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