„Tot oder lebendig“ – Slam mit Kinderkrankheiten

In den Kammerspielen des Deutschen Theaters wurde an diesem Wochenende ein neues Format getestet: Beim Tot oder lebendig – Slam traten vier junge Dichter aus der deutschen Poetry- Slam – Szene gegen ebenso viele Schauspieler aus dem Theater – Ensemble an. Erwartungsgemäß lockte diese Veranstaltung ein sehr junges Publikum an. Leider krankte die Premiere noch an einigen Mängeln.

Bei den meisten Poetry – Slams ist es üblich, dass jede Performance anschließend vom Publikum bewertet wird und sich die Sieger in mehreren Runden durchsetzen müssen: Wer den stärksten Applaus bekommt, gewinnt. Im Deutschen Theater wurde dagegen eine kleine Jury von nur fünf Personen aus dem ausverkauften Saal vorab ausgewählt, die mit Stimmkarten auf einer Skala zwischen 1 und 10 abstimmen sollten. Erst in der Endausscheidung zwischen den beiden Finalisten war das ganze Auditorium gefragt.

Was fast absehbar war, trat ein: Immer wieder bekamen die leicht überforderten Juroren laute Buhrufe für ihre spontanen Entscheidungen. Verunsichert gaben sie dann etwas zu häufig kollektiv Noten im oberen Mittelfeld zwischen 7 und 8. Leistungsunterschiede der Gedichtvorträge wurden bei der Bewertung nicht herausgearbeitet und die für Poetry- Slams übliche Spannung konnte sich angesichts der Jury, die keinem weh tun wollte, auch nicht so recht aufbauen.

Ein weiterer Fehler war, dass die Schauspieler es sich bei der Auswahl ihrer Texte teilweise etwas zu einfach machten. Es war abgesprochen, dass sie Balladen, Kurzgeschichten oder Fragmente verstorbener Dichter auswählten, statt wie bei solchen Slams üblich nur eigene Werke vorzutragen. Während Felix Goeser mit Allen Ginsbergs Skandal – Poem Howl noch halbwegs originell war und unter den Schauspielern noch am besten abschnitt, griff Katrin Wichmann schlicht auf einen Ausschnitt aus Molières Drama Der Menschenfeind zurück, das ohnehin zum aktuellen Repertoire des Theaters gehört, so dass ihr Text beim Publikum kaum zündete.

Dementsprechend leichtes Spiel hatten die Poetry Slam – Profis mit ihren eigenen Kreationen. Der unbestrittene Sieger des Abends war Marc – Uwe Kling, der sich seit mehreren Jahren einen Namen auf Kleinkunstbühnen gemacht hat und dessen skurrile Känguru – Chroniken bereits als Buch veröffentlicht wurden. Darin beschreibt er seine Erlebnisse mit dem kommunistischen Beuteltier, das sein Mitbewohner ist.

Unterhaltsam waren auch die Kurzgeschichten von Anke Fuchs aus Köln, die in einem inneren Monolog über ihre Dates sinnierte, die sie mit zu intimen Geschichten aus ihrem Leben behelligen, obwohl sie nur mit ihnen ins Bett möchte, sowie der Auftritt von Julius Fischer aus Leipzig. Im Text Ich bin ein Gewinner kämpft er sich durch die Flut von Gewinnspielen und Werbeaktionen, die Fernsehkanäle und Mailboxen überschwemmt.

Die Veranstaltung wurde als Live – Stream ins Internet übertragen. Das Video ist auf der Homepage des Deutschen Theaters abrufbar. 

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