„Schottenstück“: Lady Macbeth auf dem Volksbühnen-Albtraum-Trip

David Marton begann seine Karriere als Musiker bei Aufführungen von Frank Castorf und Christoph Marthaler an der Berliner Volksbühne vor knapp 10 Jahren. Mittlerweile hat er sich einen Namen mit Inszenierungen an anderen großen Häusern gemacht, 2009 wurde er zum Opernregisseur des Jahres gekürt. Nach zwei Inszenierungen an der Schaubühne im Berliner Westen kehrte er nun mit Das Schottenstück. Konzert für Macbeth an den Rosa-Luxemburg-Platz zurück. Der Titel ist eine Anspielung auf den abergläubischen Brauch mancher Künstler, den Titel von Shakespeares blutigem Dramen-Klassiker nicht auszusprechen.

Gesprochen wird auch an diesem Abend wenig, die Musik übernimmt den Hauptpart. Auf künstlerisch hohem Niveau spielen die Musiker Melodien des englischen Barock (Purcell) bis zu Neuer Musik (Schönberg, Ligeti), gemixt mit kurzen Ausflügen in den Pop, begleitet von Sir Henry und – in bester Volksbühnen-Tradition – am liebsten verzerrt und dekonstruiert. Lilith Stangenberg, 2010 als Nachwuchsschauspielerin des Jahres ausgezeichnet, nach einem Ausflug ins idyllische Zürich wieder zu Pollesch und Castorf zurückgekehrt und an diesem Abend eher unterfordert, spricht einige Fragmente aus dem Macbeth-Text. Nicht alles ist zu verstehen, teilweise übertönt sie die Musik. Eine Musik, die aus wohlklingenden Harmonien in ohrenquälende, schrille Dissonanzen kippt und den wahnhaften Albtraum begleitet, in den sich Lady Macbeth hinein steigert.

Dieses Zentrum des Stücks wird von kurzen Seitensträngen unterbrochen: Thorbjörn Björnsson fiebert bei einer isländischen Sportreportage mit, die ihm über Kopfhörer eingespielt wird. Gemeinsam mit einer Kollegin übergießen sie sich mit Farbe. Wenn er nicht gerade Unterwäsche oder Bademantel trägt, ist er meist ganz nackt. Nach einer tieferen Bedeutung der Regieeinfälle sucht man wohl vergeblich. 

Martons assoziative Auseinandersetzung mit Macbeth zerfällt in zu viele Bruchstücke, die von der Musik kaum zusammengeführt werden, und verheddert sich in Nebensächlichkeiten, so dass dieses Experiment trotz guter Ansätze nicht gelingt.

Die Premiere war am 9. Oktober 2013. 

Weitere Informationen und Termine 

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