David Finchers Psychothriller „Gone Girl“: Depression nach dem Platzen der Blase

Das attraktive Paar Amy und Nick (Rosamund Pike und Ben Affleck), das in New York City irgendwas mit Medien macht, verliert nach dem Platzen der Immobilienblase und dem Lehman-Crash seine Jobs und zieht in eine Kleinstadt am Mississippi, wo Nick aufgewachsen ist. Der Kontrast zwischen dem Glamour des Big Apple und der schäbigen Bar, die er gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester betreibt und die sie einfach nur Die Bar nennen, könnte nicht größer sein.

In sehr entschleunigtem Tempo schildert Regisseur David Fincher mit seiner Drehbuchautorin Gillian Flynn, die ihren Bestseller für die Leinwand angepasst hat, die tristen Verhältnisse in der amerikanischen Provinz und kontrastiert die Langeweile von Amys Hausfrauen-Existenz mit glücklicheren Tagen als frisch verliebtes Paar und auf gemeinsamen Partys.

Der Film nimmt langsam Fahrt auf, als Nick am fünften Hochzeitstag nach Hause kommt, vergeblich nach seiner Frau ruft und das Wohnzimmer in Trümmern findet. Fast zweieinhalb Stunden lang entfaltet sich ein Thriller mit wenigen Figuren, aber abgründigen Wendungen und falschen Fährten. Trotz einiger etwas zu abrupter Brüche ist Gone Girl ein sehenswerter Genre-Film mit zwei beeindruckenden Schauspielern (dem ehemaligen Jungstar Affleck, der nach sieben Nominierungen für die Goldenen Himbeere im ernsten, erwachseneren Fach ankommt, und seiner noch unbekannteren Kollegin Pike).

Vor allem ist dieser Film auch ein bissiger Kommentar zum Niveau des Fernsehens. Eine tragende Rolle spielen die Tränendrüsen-Talkshows, die vor allem zur Selbstinszenierung der Gastgeberinnen wie Oprah Winfrey dienen und die Boulevard-Schlagzeilen mit scharfem Blick für den größtmöglichen Effekt in Beichtstuhl-Gesprächen auf der Couch ausschlachten. Die Protagonisten von Gone Girl versuchen, diese Trash-Formate für sich zu nutzen und dort den richtigen Spin für ihre jeweilige Version zu setzen. Fincher konnte sich außerdem den Seitenhieb nicht verkneifen, dass eine Nebenfigur stolz erzählt, dass er in seinem Ferienhaus auch Netflix abonniert hat. Für diese Plattform, die den US-Sendern starke Konkurrenz macht, produzierte David Fincher die hochgelobte Polit-Serie House of Cards.

Gone Girl – Das perfekte Opfer. 145 Minuten. Kinostart: 2. Oktober 2014

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