„The Riot Club“: Lone Scherfig blickt in Oberschichts-Abgründe an der Elite-Uni

Miles (Max Irons) beginnt mit großen Augen sein erstes Semester in Oxford. Schnell verliebt er sich in Lauren, die im Gegensatz zu ihm aus weniger begütertem, vornehmem Haus kommt. Ebenso schnell lernt er aber auch die reichen, verwöhnten Upper Class-Schnösel des titelgebenden Riot Clubs kennen.

Ihre ausschweifenden Partys brachten ihnen in allen Lokalen im näheren Umkreis bereits Hausverbot ein. Sie sind dennoch nach wie vor davon überzeugt, dass Grenzen, die Moral und Gesetz setzen, nur für den Pöbel und nicht für sie als Auserwählte gelten. Sie glauben, dass sie sich mit Geld alles kaufen und ihren Mitmenschen auch ihre Würde nehmen können, wenn die Scheine nur groß genug sind, mit denen sie wedeln.

Die bekannte dänische Arthaus-Regisseurin Lone Scherfig führt gemeinsam mit ihrer Drehbuchautorin Laura Wade, die ihr Theaterstück The Posh (2007) für die Leinwand adaptierte, ihr Publikum in Abgründe voller unsympathischer, eitler Figuren, die von einer Reihe britischer Nachwuchsschauspieler (neben Max Irons u.a. Sam Claflin und Douglas Booth) überzeugend dargestellt werden.

Vieles ist erwartbar: von den ekligen Initiationsritualen für neue Clubmitglieder bis zu den Eskalationsstufen ihrer Exzesse. Leider gibt es auch zu wenige Zwischentöne und Nuancen, zu eindeutig wollen Scherfig und Wade ihre Botschaft von der verkommenen Oberschicht in die Köpfe der Zuschauer hämmern.

Dennoch ist The Riot Club ein nicht uninteressanter Ausflug in die geschlossenen Zirkel der ehrwürdigen Elite-Uni, der vor allem deshalb Brisanz und Relevanz erhält, da der Riot Club ein ganz reales Vorbild hat. Tobias Kniebe beschreibt in seiner SZ-Rezension das Netzwerk des Bullingdon Clubs, der für ähnliche Eskapaden berüchtigt sein soll und prominente Namen wie David Cameron und Boris Johnson an die Schalthebel der Macht im Vereinigten Königreich führte.

The Riot Club. Großbritannien 2014. 106 Minuten. Kinostart: 9. Oktober 2014

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