„Untergang der Nibelungen“: ein Außenminister und wenige bemerkenswerte Szenen können den Abend nicht retten

Das Gorki hat im Vorfeld zu Sebastian Nüblings Untergang der Nibelungen kräftig die Werbetrommel gerührt: Außenminister Frank-Walter Steinmeier nahm sich zwischen den Krisengesprächen zum Flächenbrand in Nahost und dem Konflikt in der Ostukraine Mitte Oktober kurz vor der Premiere die Zeit, zu einem Werkstattgespräch zu kommen, wo er den Machern vom Theater des Jahres dazu gratulierte, die Nibelungen-Saga vom Bayreuther Grünen Hügel in die Mitte Berlins geholt haben.

Die erste Szene lässt auch noch hoffen: ein stark eingedellter, fast schrottreifer Mercedes fährt mit quietschenden Reifen vor. Eine Gang bildungsferner bis prolliger Jungs steigt mit betont lässigen Hüftschwüngen gemeinsam mit Kriemhild (Sesese Terziyan) aus dem Wagen. Das Publikum wird mit in den Atemwegen kratzendem dichtem Rauch zugequalmt. Die Nikotinschwaden sind längst nicht mehr – wie noch in den 50ern – ein Symbol für Genuss und Kultiviertheit, sondern das passende Accessoire für eine testosterondampfende Clique, die sich an keine Regeln hält und am liebsten gegenseitig an die Kehle geht.

Der restliche Abend hangelt sich mühsam an den Versatzstücken der Nibelungensage und der Hebbel-Bearbeitung dahin. Hagen von Tronje (Dimitrij Schaad) räumt zunächst den Siegfried (Taner Sahintürk, der nackt bei einer Orgie herumhüpft und dann auf der Kühlerhaube des Mercedes verröchelt) aus dem Weg und erdrosselt dann drei blonde, kleine Mädchen, die kurze Ausschnitte des Nibelungenliedes aufsagen.

Bemerkenswert ist nur noch der Schlussmonolog von Dimitrij Schaad, der in einem assoziativen Gedankenstrom um das Thema Wir sind wieder wer kreist und dabei Zitate von Merkel bis Westerwelle mit Schlagworten aus der Phrasendreschmaschine und dem 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien verrührt. Das hätte ein Ansatzpunkt für einen interessanten Abend werden können. Doch in dem Moment geht nach etwas weniger als drei Stunden im Saal das Licht wieder an.

Untergang der Nibelungen – The Beauty of Revenge (nach Friedrich Hebbel). – Premiere am Gorki war am 23. Oktober 2014.

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