Tim Burtons „Big Eyes“: große Augen, große Erwartungen und kleine Ergebnisse

Was für eine Kombination denkt man sich: Tim Burton führt Regie, Christoph Waltz übernimmt die männliche Hauptrolle, an seiner Seite Amy Adams, die sich nach vielen Nebenrollen durch bemerkenswerte Auftritte wie in American Hustle in Hollywood etabliert hat.

Christoph Waltz spielt auch genau das, was das Publikum von ihm erwartet: seine Paraderolle als charmanter Bösewicht, der seine Gegenspieler mit einer Mischung aus aasigem Charme und Wiener Schmäh um den Finger wickelt. Er gibt Walter Keane, einen Hochstapler, der sich mal als Immobilienmakler, mal als Künstler versucht, und die Bilder seiner Frau Margaret Keane als seine eigenen ausgibt. Zunächst profitieren auch beide Seiten von diesem Arrangement, das eher zufällig entstand und sich dann verselbständigte. Walter spielt sein einziges Talent aus, nämlich mit PR-Tricks für viel Wind zu sorgen, so dass die Gemälde mit den Kindern und ihren weit aufgerissenen, traurigen Augen, die wie aus einer anderen Welt zu kommen scheinen und den Betrachter anstarren, reißenden Absatz finden; während er sich im Glanz des Künstler-Ruhms sonnt und den Klatsch-Reportern nur zu gern für Homestorys zur Verfügung steht, widmet sich die scheue Margaret in ihrem abgedunkelten Atelier-Kämmerchen dem, was sie am besten kann: der seriellen Produktion ausdrucksstark glotzender Kinder, nach denen der Markt giert.

Für Fans von Tim Burton mag es überraschend sein: Walter und Margaret Keane sind Menschen aus Fleisch und Blut, der Film beruht auf wahren Begebenheiten, die sich Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre ereigneten. Walter starb nach dem Auffliegen des Schwindels mittellos, Margaret malt bis heute jeden Tag, im Abspann sehen wir ein Bild der freundlich lächelnden älteren Dame.

Diesmal nimmt uns Burton also nicht in eine seiner Fantasy-Welten mit, sondern bietet etwas ganz Anderes. Nur was genau? Big eyes schlängelt sich irgendwo zwischen Reflexion über den Kunstmarkt als Haifischbecken und Emanzipations-Drama einer Frau, die nach einem Schlüsselerlebnis mit Zeugen Jehovas, die an ihrer Haustür klingeln, die Nase voll davon hat, sich mit der Rolle als Hausfrau und Mauerblümchen zu begnügen. Selbstverständlich unterhaltsam – wie könnte es bei diesem Trio Burton/Adams/Waltz auch anders sein! – aber doch in für Burton ungewohnt langsamem Tempo und leider auch redundant, wie critic.de zurecht kritisierte, plätschert der Film seinem Finale entgegen: einer Gerichtsszene, bei der Waltz noch mal auf die Tube drücken und sein Talent ausspielen kann.

Deshalb schließe ich mich dem Fazit von kino-zeit.de an: „Das mag nun negativer klingen, als es ist, denn Big Eyes ist ein durchaus unterhaltsamer Film. Er ist nur nicht mehr als das. Er versteht es nicht, die Emotionalität der zugrundeliegenden Bilder wirklich gerecht zu werden. Vielleicht hätte Tim Burton seinen eigenen Stil stärker betonen müssen.“

Big Eyes. – Regie: Tim Burton. – Buch: Scott Alexander, Larry Karaszewski. – Kamera: Bruno Delbonnel. – Musik. Danny Elfman. – Mit: Amy Adams, Christoph Waltz, Danny Huston, Jason Schwartzman, Terence Stamp. – Studiocanal. – 106 Minuten

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