„Szenen der Freiheit“ zur Eröffnung der Autorentheatertage: Was Sie schon immer über die Neurosen der Mittzwanziger wissen wollten

23 Jahre ist Jan Friedrich erst jung und dennoch wurde am Eröffnungswochenende der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin bereits sein zweites Stück uraufgeführt.

Szenen der Freiheit zeichnet ein Porträt seiner Generation der Mittzwanziger. Wie Friedrich im Gespräch mit John von Düffel erzählte, baute er zunächst eine Reihe kleiner Miniaturen: die fünf Protagonisten geraten in wechselnden Zweierkonstellationen aneinander. Immer geht es um die orientierungslose Suche nach dem Platz in der Welt, um die Sehnsucht nach echter Nähe und immer auch um Sex. Recht klischeehaft sind die Prototypen gezeichnet: der Schluffi, der ziellos durchs Leben treibt, das Mädchen mit dem Helfersyndrom, der schnöselige Jungkarrierist, der mantraartig „Alles gut“ vor sich herbetet und doch nicht mal selbst daran glaubt, sein hedonistischer Lover Pascal, der den Exzess liebt und alle Grenzen austestet. Diese dankbarste Rolle mit dem besten Schauspielerfutter bekam Owen Peter Read.

Die Zweierszenen funktionieren noch ganz gut: wirklich zündende Dialoge sind zwar Mangelware, aber die fünf Studentinnen und Studenten der UdK hangeln sich unterhaltsam durch diesen von Arthur Schnitzlers Reigen inspirierten Parcours. Schwächer wird der Abend, als Jan Friedrich das Bauprinzip variiert und das ganze Quintett gemeinsam auf der Bühne steht. Auch der Suizid eines Beobachtungsobjekts der Spezies der neurotischen jungen Erwachsenen wirkt eher drangeklebt als schlüssig erzählt.

In einer knappen Stunde blättern die Szenen der Freiheit ein Panorama aus Neurosen und sexuellen Selbstfindungsversuchen auf, das nicht langweilt, aber doch kaum bleibenden Eindruck hinterlässt. Denn das Stück fügt dem Selbstbespiegelungs-Genre zu wenig Neues hinzu, was das Publikum nicht bereits aus dem Film Wir von Martin Gypkens (2003) oder ähnlichen Werken kennt.

Szenen der Freiheit von Jan Friedrich. – Uraufführung bei den Autorentheatertagen in der Box des Deutschen Theaters Berlin am 13. Juni 2015. – Regie: Regie: Fabian Gerhardt, Bühne und Kostüme: Susanne Hiller, Musik: Marc Eisenschink, Dramaturgie: Hannes Oppermann, John von Düffel. – Mit: Adrienne von Mangoldt, Alexander Küsters, Meik van Severen, Owen Peter Read, Solvejg Schomers. – Ca. 1 Stunde 10 Minuten

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