Mozarts „Figaro“: Altmeisterlich von Jürgen Flimm an der Staatsoper in Szene gesetzt

Kurz vor dem Ende seiner langen Regie-Karriere und vor dem Ende seiner Intendanz an der Staatsoper unter den Linden, die umbaubedingt derzeit noch im Schillertheater gastiert, brachte Jürgen Flimm einen von Mozarts-Opern-Evergreens auf die Bühne. „Le Nozze di Figaro“ ist mit seinen fröhlich angezettelten Intrigen, seinen Liebesverwirrungen und seiner Happy-end-Garantie eine sichere Bank und gute Unterhaltung fürs Abo-Publikum.

Die Handlung wird zwar aus Sevilla in ein Landhaus an der See verlegt. Das war es dann aber auch schon mit Eingriffen des Regisseurs in Mozarts Werk: altmeisterlich gediegen entfaltet sich in den knapp dreieinhalb Stunden die Geschichte von Susanna und ihrem Figaro als einer Hochzeit mit den bekannten Hindernissen.

Das ist selbstverständlich musikalisch auf hohem Niveau, wie es auch nicht anders zu erwarten ist, wenn Könner wie Ildebrando D´Arcangelo (als Graf Almaviva) oder Dorothea Röschmann (als Gräfin Almaviva) singen.

Dennoch gab es bei der Aufführung am Sonntag zwei Wochen nach der Premiere einige Wermutstropfen: Kurzfristig mussten nicht nur Dirigent Gustavo Dudamel, sondern auch Anna Prohaska in der zentralen Rolle der Susanna ersetzt werden. Damit fielen ausgerechnet die beiden großen Namen unerwartet aus, die bei dieser Produktion besonders im Mittelpunkt des Interesses standen: für Dudamel war es die erste Neuinszenierung am Berliner Dirigentenpult. Für ihn sprang Michele Gamba früher als ursprünglich geplant ein. Noch schwerer war Prohaska zu ersetzen, deren Leistung nach der Premiere von Publikum und Kritik besonders bejubelt wurde. Für sie musste Sylvia Schwartz einspringen.

Der zweite Einwand gegen diese Produktion ist grundsätzlicher Natur und hat mit diesen Neubesetzungen nichts zu tun: Die gediegene Altmeisterlichkeit dieser Inszenierung ist eine zweischneidige Sache. Der Opernabend bietet gute Unterhaltung auf hohem musikalischem Niveau. Aber in seiner Routiniertheit fehlen ihm doch das gewisse Etwas an Experimentierfreude, an „Drive“ (rbb-inforadio) und auch die notwendigen „Ecken“ (WELT) und Kanten, die eine Inszenierung interessant machen.

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