Politthriller „Colonia Dignidad“: Daniel Brühl und Emma Watson in den Fängen einer Sekte

Aus einem albtraumhaften Gefängnis müssen auch die beiden Hauptfiguren Daniel (Daniel Brühl) und Lena (Emma Watson) im Thriller „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ fliehen.

Dieses Liebespaar ist fiktiv: Daniel ist ein politisch engagierter deutscher Student, der nach Chile kam, um den Präsidenten Salvador Allende zu untersützen. Seine Freundin Lena arbeitet als Stewardess und trifft ihn regelmäßig bei Zwischenstopps.

Der Ort, an den Daniel nach dem Militärputsch von General Pinochet am 11. September 1973 verschleppt wird, ist dagegen sehr real: Das 30.000 Hektar große Gelände der „Colonia Dignidad“ wurde von Paul Schäfer hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Als Anführer einer evangelisch-fundamentalistischen Sekte herrschte Schäfer (von Mikael Nyqvist glänzend gespielt) mit einem sadistischen Terrorregime über seine Jünger: Frauen, Männer und Kinder waren streng getrennt.

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Harte Arbeit und brutale Strafen waren an der Tagesordnung. Für den sexuellen Missbrauch an Jungen wurde Schäfer 2004 in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt, im April 2010 starb er im Gefängnis von Santiago. In einem weiteren Prozess gestand Gerhard Mücke, ein ehemaliges Führungsmitglied der Sekte, im Juli 2006, dass 22 Regimegegner nach dem Putsch in der Colonia Dignidad ermordet und anschließend verbrannt worden waren.

Über diese Schreckenswelt wurde zu lange geschwiegen: Nicht nur Pinochet hielt seine schützende Hand über Schäfer und die Colonia Dignidad. Auch der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß war dort zu Gast, sein signiertes Porträt hing dort angeblich noch bis Mitte der 90er Jahre.

Die Stärke von Florian Gallenbergers Film ist es, dass er die brutalen Mechanismen dieser abgeschotteten Sekte sehr genau beschreibt und in eine packende Thriller-Handlung einbaut. Bemerkenswert ist an diesem Film auch, wie er die Rolle des Auswärtigen Amtes und des deutschen Botschafters (gespielt von August Zirner) thematisiert. Wie im Film angedeutet, hatten deutsche Diplomaten während der Diktatur die Colonia Dignidad teilweise in Schutz genommen. Personen, die aus der Siedlung fliehen konnten, wurde nicht ausreichend geholfen, so dass sie von Führungsmitgliedern wieder in die Colonia Dignidad zurückgebracht wurden. Vor einigen Tagen organisierte das Haus der Wannseekonferenz eine Sondervorführung in Berlin, zu der auch Opfer der chilenischen Diktatur und Bewohner der Colonia Dignidad eingeladen waren. Vertreter des Auswärtigen Amtes sagten dort zu, sich an der Aufarbeitung der Geschehnisse zu beteiligen.

Der von Pro7 und Sky co-produzierte Politthriller hat jedoch auch einige nicht zu übersehende Schwächen: die Liebesgeschichte ist vor allem im ersten Drittel zu melodramatisch geraten, die Streicherklänge sind zu dick aufgetragen. Auch manche Szenen im Action-Plot sind etwas zu effekthascherisch inszeniert.

Trotz dieser Mängel ist Florian Gallenberger ein bemerkenswerter Film zu einem wichtigen Thema gelungen. Um den Kurzfilm-Oscargewinner („Quiero ser“) von 2001 war es in den vergangenen Jahren still geworden, seine letzte Regiearbeit „John Rabe“ kam bereits 2009 ins Kino. Auf seine nächsten Projekte dürfen wir gespannt sein.

Der Film „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ startete am 18. Februar in den Kinos: Webseite und Trailer zum Film

Copyright: Majestic / Ricardo Vaz Palma

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