Zeitreise in die 90er: „Werther!“-Solo von Philipp Hochmair

Die Schulklassen, die gestern scharenweise zum „Werther!“-Gastspiel ans Berliner Ensemble geschleppt wurden, sind bedauernswert. Welchen Eindruck nehmen sie vom Theater nach Hause?

Ein manieriert gesprochener Monolog mit dem Reclam-Heftchen, das sie schon aus dem Unterricht kennen, als Bühnen-Hintergrund; der zweite Teil verliert sich in postdramatischen Mätzchen der einfallslosesten Art.

Als Regisseur Nicolas Stemann den Abend mit dem Schauspieler Philipp Hochmair im Jahr 1997 erarbeitete, mögen die Live-Video-Experimente, die hier recht tapsig eingesetzt werden, gerade eine spannende Innovation gewesen sein. Aber die Altherren-Humor-Zoten wirkten bestimmt auch damals nur peinlich. Die vorderen Reihen mit Salatblättern zu bewerfen, ist kein besonders aufregender oder auch nur ansatzweise gelungener Einfall. Außerdem ist der Sitznachbarin zuzustimmen, die sich über den sehr stark in den Saal wabernden Gestank beschwerte, als Hochmair und Stemann vermutlich keine anderen Gags mehr einfielen und der Schauspieler eine ausführliche Zigarettenpause einlegte.

Der Abend ist zu keinem Zeitpunkt packend, die missglückte Zeitreise in die 90er ist zum Gruseln. Die flauen Witzchen über die Herren Beil, Brandauer und Peymann, denen Hochmair im Mittelteil für die Einladung nach Berlin dankt, gehören angesichts der Tiefpunkte des Abends schon zu den erträglicheren Momenten.

Das einzig Lohnenswerte an diesem Ausflug in die 90er ist, dass mal wieder „Perfect Day“ von Lou Reed aus „Trainspotting“ zu hören war.

Trailer zu „Werther!“

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