Totentanz

Er marschiert im Stechschritt. Sie tanzt elegant zu Tangoklängen. So wird das Publikum empfangen, wenn es den Theatersaal zu Strindbergs „Totentanz“ in Frankfurt betritt.

Schon diese Eröffnungs-Szene macht klar: dieses Paar hat sich auseinandergelebt. Vermutlich herrschte nie Harmonie oder auch nur Sympathie zwischen den beiden. Aber aus den sehr verschiedenen Bewegungen und dem völlig unterschiedlichen Rhythmus entsteht doch eine Einheit. Die beiden kommen nicht voneinander los.

Der ZEIT-Theaterkritiker Peter Kümmel schrieb in seinem im Programmheft abgedruckten Strindberg-Essay von 2012: „Seine Figuren hassen einander, und sie klammern sich aneinander (…)“. Vor allem trifft dies auf Alice und Edgar zu. Der misanthropische Hauptmann und die ehemalige Schauspielerin haben sich in eine Festung zurückgezogen und in ihrer Ehehölle verbarrikadiert.

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Daniel Foerster, der 2014 den Nachwuchspreis des Heidelberger Stückemarktes gewann, inszeniert Strindbergs (nach zwei Scheidungen autobiographisch inspiriertem) Kammerspiel aus dem Jahr 1900 mit sehr viel Drive. Die von Ellen Hofmann gestalteten Kostüme spielen eine ebenso große Rolle wie die Musik: Constanze Becker spielt die Alice mit aufgetürmter Frisur irgendwo zwischen Vamp und Domina. Die Beats dröhnen zu einer Schwert-Tanz-Choreographie oder während der Baseball-Schläger-Attacke von Alice auf Judith (Alexandra Lukas).

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Die beiden Hauptdarsteller Constanze Becker und Oliver Kraushaar sind auch im wirklichen Leben ein Paar, gehen aber dort sicher nicht mit so eiskaltem Lächeln über Leichen wie an diesem Theaterabend, als der arme Kurt (Michael Benthin) zwischen die Mühlsteine gerät. Alice und Edgar sind sich nach vollbrachter Tat einig, dass man sich nun genug gequält habe, und entlassen das Publikum nach flott inszenierten 100 Minuten hinaus ins Foyer oder zum Beziehungsgespräch.

Die Premiere von „Totentanz“ war am 14. Juni 2016 in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt. In der neuen Spielzeit wird die Inszenierung auf der Großen Bühne wiederaufgenommen.

Bilder: Birgit Hupfeld

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