Hamlet

Zur Spielzeiteröffnung inszenierte Intendant Stefan Bachmann in Köln selbst. Sein Shakespeare-Klassiker „Hamlet“ endet furios. Der Fechtkampf zwischen Hamlet (Peter Miklusz) und Laertes (Simon Kirsch) ist eine sehr schön choreographierte Pantomime: Ganz ohne Kunstblut und doch effektvoll. Ein witziger Einfall sind auch die Totenköpfe der Schauspielstudenten, die im Halbkreis durch den Vorhang auf den Kampfplatz lugen und das allgemeine Gemetzel kommentieren. Der Nachwuchs war davor schon in der zweiten bemerkenswerten Szene des langen Abends, der berühmten „Mausefalle“-Aufführung am Königshof, im Einsatz. Bachmann doppelt alle Figuren: Zum Beispiel sieht sich Königin Gertrud (Marie-Lou Sellem im blauen Kleid und mit hochtoupierten Haaren) sieh plötzlich ihrem Double (Simon Kirsch im selben Outfit) gegenüber.

Hamlet

Der Rest ist zwar nicht Schweigen, aber viel zu statisch. Sinnbildlich für die Inszenierung stehen die ersten gefühlt zwanzig Minuten, in denen das Ensemble ständig von einem Bein auf das andere tritt und den Text aus Heiner Müllers Shakespeare-Übersetzung deklamiert. Die ersten beiden Stunden kommen nicht vom Fleck. Dementsprechend bleiben viele Plätze nach der Pause leer.

So zaudernd wie Hamlet ist die gesamte Inszenierung. Lars Eidinger (in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung) und Christopher Nell (bei Leander Haußmann am Berliner Ensemble) haben demonstriert, was man aus dieser Titelrolle machen könnte. Auch in Peter Miklusz, der nach zwei Spielzeiten an Peymanns BE nach Köln wechselte, würde das Potenzial für einen tollen Hamlet stecken, wenn man ihn denn während der kompletten drei Stunden und nicht erst in den letzten zehn Minuten Theater spielen ließe.

Hamlet

Was er kann, hat er als „Woyzeck“ (an seiner alten Wirkungsstätte in Leander Haußmanns Inszenierung am Berliner Ensemble) gezeigt. Stattdessen dreht sich die Bühne zu oft im Zeitlupentempo.

Premiere im Depot 1 des Schauspiels Köln am 23. September 2016. Weitere Informationen und Termine

Bilder: David Baltzer

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