Hedda Gabler

Mit „Hedda Gabler“ wurde die Schaubühne am Lehniner Platz zum bisher letzten Mal zum Theatertreffen eingeladen. Elf Jahre liegt die Premiere (25. Oktober 2005) mittlerweile zurück.

An diesem verlängerten Wochenende wurde die Inszenierung wiederaufgenommen und wirkt keineswegs angestaubt. Es ist vor allem der Abend von Katharina Schüttler: ihre Hedda ist ein schnippisches, narzisstisches Ekel. Kühl berechnend hat sie sich Tesman, einen drögen Geisteswissenschaftler im Wollpulli (Lars Eidinger), geangelt. Attraktiv findet sie an ihm nur, dass er eine gut dotierte Professur in Aussicht hat und im Vertrauen darauf schon mal ein luxuriöses Eigenheim mit langen Glasfronten finanzierte.

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Schüttlers „Hedda“ fühlt sich den Kleinstadt-Menschen und ihren überschaubaren Zielen und Wünschen weit überlegen und lässt sie dies auch überdeutlich spüren. Sie langweilt sich schrecklich. Da ihr Tesman seine Möglichkeiten überschätzt hat, kann sie sich auch nicht mehr standesgemäß als großzügige Gastgeberin in ihrem Salon präsentieren.

Im aasigen Richter Brack glaubt sie einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Jörg Hartmann (damals festes Ensemble-Mitglied an der Schaubühne, mittlerweile vor allem in TV-Rollen als Stasi-Offizier in „Weissensee“ oder als Kommissar Faber im Dortmunder „Tatort“) robbt sich auf der Sitzgruppe an sie heran und macht ihr das eindeutig-zweideutige Angebot, ein „Dreieck“ zu bilden.

Das bekannte, nur leicht aktualisierte Ibsen-Drama nimmt seinen Lauf: bei Ostermeier hat Eilert Løvborg (Kay Bartholomäus Schulze) sein neues Buch auf dem Laptop, den Hedda mit dem Hammer zertrümmert und dann auf dem Grill röstet.

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Im starken Schlussbild liegt Katharina Schüttler blutverschmiert im Séparée. Im Salon gehen Brack, Tesman und Thea Elvstedt (Annedore Bauer) achselzuckend zur Tagesordnung über. Tesman und Elvstedt rutschen auf Knien über den Fußboden und versuchen in das Zettelchaos, das Løvborg hinterlassen hat, Ordnung zu bringen. Brack fühlt sich in seiner Lieblingsposition pudelwohl – fläzend auf dem Sofa.

Bilder: Arno Declair

Webseite zu „Hedda Gabler“

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