War Dogs

Wenn Todd Phillips, der Regisseur der berüchtigten „Hangover“-Trilogie, eine Satire über Waffenschieber und die Ära George W. Bush dreht, kann kaum was Vernünftiges dabei herauskommen. Könnte man meinen.

Sein neuer Film „War Dogs“ beruht auf wahren Begebenheiten und ist fast zu schade fürs Multiplex-Popcorn-Kino. Natürlich ist der Hang des Regisseurs zur derberen Komik nicht zu übersehen, aber die meiste Zeit hat er sich in diesen knapp zwei Stunden gut im Griff.

Guy Lawson schrieb 2011 für den „Rolling Stone“ über zwei Jungs, die im Rüstungsgeschäft mitmischen wollten. Efraim Diveroli, der schion einige Erfahrung mit krummen Deals auf dem Kerbholz hat, hat eine Lücke im System entdeckt: Das US-Verteidigungsministerium hat unter Donald Rumsfeld einige Aufträge allzu freihändig an alte Neocons-Seilschaften vergeben und stand deshalb unter Druck, den stark wachsenden Kuchen an Militärausgaben gerechter zu verteilen.

Er kam auf die Idee, die Regierungsseite mit den offiziellen Ausschreibungen genau zu durchforsten und sich auf jene Nischen-Aufträge zu fokussieren, die für die großen Player zu unattraktiv waren. Als Juniorpartner seiner Firma AEY holt er seinen alten Kumpel David Packouz ins Boot, der bisher als Physiotherapeut wohlhabende Kunden in Florida massierte.

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Die Firma wuchs schnell und ebenso rasant wuchs auch ihr Appettit, sich nicht nur mit den Krümeln des Kuchens zufrieden zu geben. 2007 suchte die US-Army dringend Munition für die sowjetischen Modelle der afganischen Armee. Der Rolling Stone beschrieb die prekäre Situation der Bush-Administration ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl so: „For the Bush administration, the ammunition was part of a desperate, last-ditch push to turn the war around before the U.S. presidential election the following year.“

Die beiden Jungs bekamen tatsächlich den Zuschlag für einen 300 Millionen Dollar-Auftrag, an dem sie sich jedoch gründlich überhoben und der sie schließlich vor Gericht brachte (Prozessakten sind hier veröffentlicht).

Philipps nimmt sich natürlich manche Freiheiten, seine Geschichte zu erzählen. Aber so unglaublich sie klingen mag, ist sie im Kern doch wahr.

Den Film machen außerdem seine hervorragenden Schauspieler sehenswert: Miles Teller, der in „Whiplash“ seine erste große Rolle jenseits der Teenie-Komödien hatte, spielt den naiven David, der froh ist, dass er endlich nicht mehr mit sexuellen Angeboten seiner Kunden konfrontiert ist, die von ihm mehr als nur Massagen wollen. Jonah Hill tritt als Efraim genauso schmierig auf wie in seiner Paraderolle als Anwalt in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“. In einer Nebenrolle als dubioser Waffenlieferant, dem sie auf den Leim gehen, tritt Bradley Cooper auf.

„War Dogs“ startete am 29. September 2016 im Kino.

Bildrechte: © 2016 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

 

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